Klaus Unland´s Zappa
Biografie
Frank Zappa - Eine Biografie (unbekannter
Autor - gefunden im Internet)
Frank Zappa - Eine Biografie (unbekannter
Autor - gefunden im Internet)
Frank Zappa - Eine Biografie (unbekannter
Autor - gefunden im Internet)
Frank Zappa - Mothers of Invention (Quelle: © Systhema -
Editorial Verlag)
Rocklegende Frank Zappa (Quelle: Spiegel
Online - Sebastian Knauer, 17.09.2004)
Frank Zappa - Persönliche Audiokitiken von
Christian Kesssler
Zwischen allen Stühlen - (Quelle: ©
www.hjs-jazz.de/zappa.html)
Hinweis für die Autoren der
unbekannten Biografien
Frank Zappa war amerikanischer Komponist, Gitarrist, Arrangeur, Producer,
Film-Regisseur, eine der innovativsten und
einflussreichsten,
aber auch umstrittensten Figuren der Rockgeschichte, der mit seiner Kritik am
"American Way of Life" auf Unverständnis und Ablehnung stieß. Zappa, Frank Vincent Jr. wurde am
21. Dezember 1940 als Sohn sizilianisch - griechischer Einwanderer in Baltimore,
Maryland geboren.
Frank Zappa´s Familie zog 1950 nach Lancaster, Kalifornien. Hier hatte Frank jedoch kaum Freunde und galt als Außenseiter. In der Schule lernte er dann aber u.a. " Don van Vliet" kennen, der später als "Captain Beefheart" zur Subkultur - Prominenz gehören sollte. Mit ihm unternahm Zappa erste Gehversuche im Rock-Business.
Zappa vereinbarte schon in Jugendjahren völlig unterschiedliche Musikstile: schwarzen Rhythm & Blues und avantgardistische E-Musik. Als 15jähriger begann er bereits, angeregt durch Kompositionen seines Idols Edgard Varese , Orchester- und Kammermusik zu schreiben.
Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er im Frühjahr 1951 als Schlagzeuger in San Diego mit einer Schulband. Mit dem Gitarrenspiel begann er erst 1956. Sein erstes Musikstück war eine Kompositionsszizze für eine Perkussionsgruppe, ein Beitrag für ein Schulwettbewerb.
Er beschäftigte sich zu jener Zeit schon mit Musiktheorie und experimentierte als Achtzehnjähriger mit serieller Musik. Nach dem High-School - Abschluss im Jahre 1958 absolvierte er Kurse in Harmonie- und Kompositionslehre und übte sich im Komponieren und Partituren schreiben.
Während die ersten Jahre seines musikalischen Schaffens von Orchestermusik und moderner Musik geprägt waren, wurde sein Interesse für R&B erst mehrere Jahre später geweckt. Zuerst musste er jedoch feststellen, das seine Versuche in Zwölftonmusik, aufgeführt, nicht einmal ihm selbst gefielen und das er damit keinen müden Dollar verdienen konnte. Dieses war jedoch notwendig, da er sein Elternhaus inzwischen verlassen hatte. Seine ersten finanziellen Erfolge Ende der 50er Jahre in der U- und Popular- und Film- Musik ließen ihn immer mehr von seinen E- Musik Perspektiven abrücken.
Die ersten Rock & Roll Songs entstanden, als Zappa 18jährig in kurzlebigen Bands versuchte, seinen Lebensunterhalt mit dieser Art von Musik Geld zu verdienen. Außerdem spielte er jetzt neben Schlagzeug und Gitarre auch Vibraphon, Klavier und Orgel. Die erste Band hieß: The "Blackouts", aus der später "The Omens" wurden. Zu dieser Zeit verdiente er sich seinen Lebensunterhalt auch als Barpianist . In "The Omens" spielte er u.a. mit seinem College-Freund Don Van Vliet zusammen, mit dessen prä-Magic Band - "The Soots" Frank in seinem "Studio Z" in Cucamonga - das er sich 1963 von seinen Filmmusikeinnahmen leisten konnte - mehrere Aufnahmen machte. Diese Band fiel jedoch schnell wieder auseinander.
In diesen Tagen wirkte er des öfteren bei Avantgardekonzerten mit und spielte in Bands wie "Joe Perrino & The Mellotones", "The Boogiemen" sowie "The Muthers", einem Trio, dem auch Paul Woods (b) und Les Papp (dr) angehörten. Darüber hinaus arbeitete Frank Zappa als professioneller Producer für lokale Bands, darunter "Baby Ray & The Ferns & The Penguins".
Jedoch wurden die Aktivitäten im "Studio Z" im dem spießigen Provinznest argwöhnisch betrachtet. Und dann ließ die örtliche Polizei das Studio wegen einiger auf einem Tonband sichergestellten Beischlafgeräusche und angeblicher "sexueller Perversionen" schließen. Frank wurde zu 10 Tagen Haft verurteilt mit der Bewährungsauflage in den nächsten Jahren mit keiner unverheirateten Frau unter 21 Jahren in Kontakt zu treten, außer in Gegenwart eines Erziehungsberechtigten. Frank hierzu: "Ein total perverses Urteil". Die beanstandeten Tonbandgeräusche tauchten dann aber etwa zwei Jahre später in ähnlicher Form im "Mothers Song - Help I Am A Rock - " wieder auf. Er verkaufte das Studio in der spießigen Gegend und zog nach Los Angeles.
Gegen Ende des Jahres 1964 schloss sich Frank der Band "Soul Gaints" an, mit der zusammen er bereits früher u.a. für "Baby Ray & The Ferns und The Penguins" komponiert hatte, die aus dem Sänger Ray Collins, dem Bassisten Roy Estrada, dem Schlagzeuger Jimmy Carl Black und einem Saxofonisten namens David Coronado bestand. Dieser schied jedoch bald aus, nachdem Frank nicht nur der neue Gitarrist, sondern binnen kurzem auch der Chef der Band wurde.
Das Programm der Band, die sich alsbald in "The Mothers" umbenannten wurde nach und nach von Soul-Nummern zu Frank Zappa´s Kompositionen umgestellt. Die Mothers spielten in der Folgezeit selten mehr als ein Konzert am selben Ort. Sie wurden gefeuert, weil die Clubbesitzer sauer wurden, weil sich dem Tanzpublikum die Beine bei dem Takt- und Tempoänderungen verknoteten. Außerdem waren in ihren Stücken viele Stolperrhytmen und verwirrende Breaks zu finden. Wagten dann doch einmal ein paar Tanzende Hit-Musik Wünsche zu äußern, wurden die Stücke zu einer verballhornten Spontanparodie. Derlei Hit-Zerstücklung und das rüde Umspringen mit dem zahlenden Publikum vergraulte zwar die Clubbesitzer, doch es trug stark zu der sich stetig ausweitenden Freak-Subkultur und zum Underground - Mythos der Mother´s bei.
Da die Band mit ihren Durchschnittsalter von 26 Jahren für eine erfolgreiche Pop-Band eh zu alt war, praktizierten sie unter Zappa´s Regie das andere Extrem: das bizarre, skurrile, hässliche, ausgeflippte. Provokation und garstiges freakiges Äußeres wurden ihr Programminhalt. Neben den Mothers wirkten selbst die Rolling Stones wie eine brave Pfadfindergruppe.
Und Frank Zappa´s Rechnung ging auf. Der Freund und Manager Mark Cheka verschaffte der Band wichtige Liveauftritte, welche mit einem Vertrag für die ersten zwei Platte bei dem Lable "Verve" Früchte trugen.
Der eigentliche Durchbruch kam um 1966 , als Zappa zusammen mit den Mothers of Invention seine erste LP veröffentlichte: Freak out ! Ursprünglich hieß die Band "The Mothers" ,aber die Plattenfirma bestand auf eine Umbenennung , weil sie meinten, das keine Radiostation eine Band mit einem solchen Namen spielten würde. Als ob der Name das Problem gewesen wäre.
Die Platte enthält viel Sozialkritisches und geniale Parodien verschiedener Musikstile, vermischt mit Perkussionsgeräuschen , elektronischen Klängen , Schreien und Gelächter. Zappas "Mothers Of Invention" stiegen in der Freak-Szene von Los Angeles mit ihrer bizarren Bühnenshow zur Kultband auf. Zappa selbst wurde zu einem der bekanntesten Vertreter des musikalischen Undergrounds. Mit Feak Out ! brachte Zappa 1966 das erste Doppelalbum in der Geschichte der Rockmusik heraus. Die Texte waren ironische und provozierende Kommentare voller Gesellschaftskritik, und die Musik parodierte den sentimentalen Rock'n'Roll der fünfziger Jahre, benutzte aber auch Techniken des Free Jazz und der Klangstrukturen und Kompositionsprinzipien zeitgenössischer Komponisten.
Zappa wurde schnell zu einer Kultfigur der Underground-Musik. In den folgenden drei Jahren veröffentlichte er fünf weitere Schallplatten, darunter We're only in it for the Money (1968, Wir machen das nur für die Kohle, mit einem Cover, das die Beatlesplatte Sergeant Pepper ironisierte) und Uncle Meat, (1969, Onkel Fleisch), eine provokative zweistündige Musikcollage, deren Großteil eine größere Nähe zu Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Strawinsky als zum Rock aufwies. Bereits in diesen Aufnahmen zeigte sich Zappa als einer der herausragenden Rockgitarristen und verband in seiner Musik alle Elemente traditioneller Rockmusik mit den technischen experimentellen Strömungen der Neuen Musik.
Frank Zappa gründete 1968 die Producer-Gesellschaft Bizarre sowie 1969 Straight und fungierte als Producer für die GTO's, Capt. Beefheart, Alice Cooper, Wild Man Fischer u.a.m. Beide Gesellschaften wurden in Verbindung mit der Auflösung von Mothers im Oktober 1969 veräußert.
Ab 1970-71 begann Zappa mit den Aufnahmen zu dem Film 200 Motels, der von dem harten Tourneeleben der Rockmusiker in einem surrealistischen Universum handelt. In diesem Film spielte Ringo Starr die Hauptrolle; Frank Zappa arbeitete hierbei mit den wiederformierten Mothers und dem Royal Philharmonic Orchestra zusammen.
Ob er seinen Kompositionen Rock- oder Jazzelemente zufügte , nie schien Zappa es wirklich ernst zu meinen, die Musik war immer geprägt von Stil-Montage und Spontaneität. Er spielte gerne mit dem , was er als Archetypal American Musical Icons bezeichnete. Die musikalischen Klischees die sich in den Köpfen der Leute eingeprägt hatten, galt es durcheinander zu wirbeln. Der Spott Zappas galt zunächst nur den bürgerlichen Wertvorstellungen und dem American Way Of Life. Aber mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Protestbewegung wurde auch sie aufs Korn genommen. Vor den satirischen Rundumschlägen Zappas war nichts und niemand sicher.
Um seine eigenwilligen Vorstellungen besser umsetzen zu können, löste Zappa Anfang der 70er die Mothers auf und spielte mit häufig wechselnden Bands. Charakteristisch auch Zappas hang zur Perfektion, nie war er mit sich oder seinen Stücken wirklich 100%tig zufrieden. Das spiegelt sich auch in den Bandbesetzungen nieder, in der sich die Musiker häufig die Klinke in die Hand gaben. Kaum jemand war den strengen Auswahlverfahren Zappas gewachsen.
Nach 1976 brachte Frank Zappa ausschließlich Platten unter eigenem Namen heraus und bildete in den folgenden Jahren line-up´s u.a. aus Warren Cuccurullo, Adrian Belew, Steve Vai, Ray White, Mike Keneally und insbesondere Ike Willis (alle g, vo); Eddie Jobson (Ex-Curved Air, Ex-Roxy Music), Tommy Mars, Peter Wolf, Bobby Martin und Alan Zavod (alle keyb); Patrick O'Hearn, Arthur Barrow, Scott Thunes (alle b) und die Drummer Terry Bozzio (auch vo), Vinnie Colaiuta und Chad Wackerman sowie Ed Mann (vib, marimba). Daneben wirkten von Zeit zu Zeit sowohl verschiedene Mitglieder der (Ex-) Mothers als auch so bekannte Musiker wie der Jazzgeiger Jean-Luc Ponty, der Keyboarder George Duke sowie der Gitarrist Lowell George (Ex-Little Feat) in Zappa's Band mit.
Frank Zappa selbst gastierte im Laufe der Jahre als Gitarrist oder Producer bei den Monkees, Fraternity Of Man, Jeff Simmons (Ex-Mothers), L. Shankar, Jean Luc Ponty (Ex-Mothers), John Lennon, Grand Funk Railroad, George Duke (Ex-Mothers) und Robert Charlebois.
1986 hatte er eine Gastrolle in der Krimiserie Miami Vice. Er verkörperte dort einen Drogenhändler, der beim Showdown aus einem dahinrasenden Motorboot fällt. Ein Abgang, der ganz Zappa's Humor entspicht.
Frank Zappas
Texte hatten von Anfang an einen sarkastischen Stil und haben alles von Heuchelei und
Engstirnigkeit bis hin zur politischen Korruption aufs Korn genommen. Das seine Texte
seit Mitte der 80er Jahre eine vulgärere und stärker auf Sex ausgerichtete Sprache
annahmen, ist im Lichte der 1985 von PMRC unternommenen Versuche zu sehen, eine strenge
Zensur von Rocktexten einzuführen. Dagegen protestierte Frank Zappa persönlich bei
Ronald Reagan und nahm an mehreren Kongreß-Hearings teil.
(siehe auch)
Die vielen schlechten Erfahrungen mit der Musikbranche machten aus Frank Zappa einen tüchtigen Geschäftsmann. Mit seiner eigenen Gesellschaft Barking Pumpkin und der Versandfirma Barfko-Swill, die den Verkauf von Konzertvideos und Platten übernahm, hatte er ab 1981 völlige Kontrolle über seine Produkte. Um z.B. dem ausufernden Geschäft mit Bootlegs entgegenzutreten, überspielte Zappa kurzerhand eine Reihe der beliebtesten Schwarzpressungen (z.B. Picantique, Live in Saarbrücken) und gab sie selbst als offizielle 'Piraten'-Serie (Beat The Boots) heraus.
Mit seiner großen theoretischen Kenntnis der Musikgeschichte und Tradition sowie einem sicheren Spürsinn für eine Unzahl von Nischen in einer gegebenen Stilart schuf Frank Zappa mit Talent, Fleiß und großem musikalischem Überblick Kompositionen und Arrangements der absoluten Sonderklasse. Obwohl er als Gitarrist ursprünglich stark von Clarence Gatemouth Brown und besonders Guitar Slim beeinflußt worden war, hat er sich selbst nie als besonders all-round betrachtet. Gegen Ende der 70-er Jahre verwendete er die Gitarre zunehmend nur noch bei Soloauftritten, ab Mitte der 80-er Jahre trat das Gitarrenspiel noch weiter in den Hintergrund.
In den 80-er Jahren konzentrierte sich Frank Zappa verstärkt auf die Arbeit am Synclavier, insbesondere mit klassischen Kompositionen. Auf Tonträgern wird diese Arbeit mit den Triosonaten von Francesco Zappa (geb. in Mailand, gest. 1788) und der Solosynclavier-Platte "Jazz From Hell" dokumentiert. Letztere bekam 1988 den Grammy for Best Rock Instrumental 1987. Die Arbeiten am Synclavier wurden von dem Deutschen Henning Lohner in dem Interviewfilm Peefeeyatko (1991) festgehalten. Auch Frank Zappas übrigen klassischen Produktionen (dirigiert von Pierre Boulez) haben große Anerkennung gefunden.
Ansonsten war Zappa rege damit beschäftigt, seine Vergangenheit zu vermarkten. Durch den Aufbau einer Musik- und Filmproduktionsgesellschaft machte er sich von den großen Plattenfirmen unabhängig.
Mit seiner zweiten Frau Gail, die er 1969 heiratete, hatte er zwei Söhne, Dweezil und Ahmet Redan, und zwei Töchter, Moon Unit und Diva. Mit Moon Unit nahm er Valley Girl (1982, Talmädchen) auf, eine Parodie auf die kalifornische Lebenseinstellung, die sein einziger erfolgreicher Schlager in den USA wurde. Zur Ironie des Lebens gehört, daß der Gesellschaftskritiker Frank Zappa Dog Breath (aus dem Album Uncle Meat) an das Orchester der Militärakademie West Point absetzen konnte. Am 19. Februar 1992 wurde er mit dem Lifetime Achievement Award des Los Angeles Music Award geehrt und 1994 in Down Beat Critics Hall of Fame aufgenommen.
Ende 1991 erkrankte Zappa schwer an einem spät diagnostizierten Prostatakrebs. Vor seinem Tod am 4. Dezember 1993 erlebte er ein steigendes Interesse an seinen Werken, sowohl des Rocks als auch der klassischen. Er hatte über 60 Langspielplatten veröffentlicht, unter denen sich sowohl Studioaufnahmen als auch akribisch bearbeitete Live-Aufnahmen befinden. Darüber hinaus hinterließ er viele Aufnahmen, die noch nicht veröffentlicht wurden. Zur Verwaltung seines unermesslichen Nachlasses hat Gail Zappa und The Zappa Family Trust einen Vertrag mit Rykodisc abgeschlossen, nachdem die Weltrechte an Zappas gesamten Werken sowie die Exklusivrechte an künftigen Ausgaben aus seinem großen Privatarchiv auf Rykodisc übergingen.
Zu seinen späteren Aufnahmen gehören u. a. Zappa in New York (1977), Sheik Yerbouti (1979), Joe's Garage I (1979), Joe's Garage Act II (1979), die Trilogie Shut Up'n Play yer Guitar, Shut Up'n Play yer Guitar Some More (1980) und Return of the Son of Shut up'n Play yer Guitar (1980), Ship Arriving Too Late to Save a Drowning Witch (1982) und Jazz From Hell (1986). Zappas letzte Produktion, die zu Lebzeiten veröffentlicht wurde, war Yellow Shark mit dem Frankfurter "Ensemble Modern" im Jahr 1993. Gezeichnet von der schweren Krankheit musste Zappa bei der Uraufführung geschwächt das Dirigentenpult verlassen. Zappa dirigierte das erste Stück selbst und kündigte dann den Dirigenten Peter Rundel an, der die nächsten Stücke dirigierte. Danach wieder Zappa das letzte Stück vor der Pause. Nach der Pause mehrmals Rundel und Zappa im Wechsel. Das letzte Stück (G-Spot Tornado) wurde auch von Zappa dirigiert.
Frank Zappa starb am 4. Dezember 1993 knapp zwei Wochen vor seinem 53. Geburtstag in Laurel Canyon, Kalifornien).
Civilisation Phase III erschien kurz nach Frank Zappas Tod. Diese Aufnahme hatte Zappa noch selbst weitgehend fertig gestellt, seine Veröffentlichung aber nicht mehr erleben dürfen.
Quelle: u.a. aus MS Encarta 97
und der Zappa Story von Volker Rebell
Anmerkung: Diese Biographie erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein. Sie soll nur einen kurzen Überblick über Zappa´s Schaffen geben.
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Frank Zappa - Eine Biografie (unbekannter Autor - gefunden im Internet)
Frank Zappa ist mit seinen Ansichten zum American Way Of Life bis zum heutigen
Tag eine der umstrittensten Figuren in der Rockgeschichte. Der amerikanische
Komponist, Gitarrist, Arrangeur, Producer und Regisseur wird am 21. Dezember
1940 in Baltimore (Maryland) geboren. Wie er 1989 in seiner Autobiographie ("The
Real Frank Zappa Book") schreibt, sind seine Vorfahren sizilianisch, griechisch,
arabisch und französisch.
Nachdem die Zappas mit dem kleinen Frank nach Lancaster (Kalifornien) umziehen,
gilt er in der Schule zunächst als Außenseiter und hat nur wenige Freunde. Aber
sein Interesse für Musik ist geweckt, und bereits 1951 hat er seinen ersten
öffentlichen Auftritt als Schlagzeuger einer Schulband. Mit dem Gitarrenspiel
fängt Zappa erst im Jahre 1965 an. Schon als 15-Jähriger befasst er sich mit
Musik-Theorie und schreibt klassische Stücke für Orchester, ein Interesse, das
ihm sein Leben lang erhalten bleibt. So fasziniert ihn vor allem der
französische Komponist Edgar Varese, aber auch John Cage und Henry Partch. Nach
seinem High School-Abschluss im Jahr 1958 absolviert er Kurse in Harmonie- und
Kompositionslehre.
Mit 18 Jahren versucht Frank Zappa zum ersten Mal, mit kurzlebigen
Rock'n'Roll-Bands seinen Lebensunterhalt zu verdienen, da er mittlerweile von zu
Hause ausgezogen ist und auf eigenen Füßen steht. Seine erste Band heißt The
Blackouts, aus denen später The Omens werden. Neben Gitarre und Schlagzeug
eignet er sich auch das Vibraphon-, Orgel- und Klavierspiel an, so dass er sich
neben der Band als Barpianist eine Einkommensquelle sichern kann. Von
zusätzlichen Filmmusik-Einnahmen (1959: "Run Home Slow"; 1962: "The World's
Greatest Sinner") kann er sich 1963 sein sogenanntes Studio Z in Cucamonga
leisten. In der Folgezeit spielt Zappa in zahlreichen weiteren Combos mit und
macht sich ebenfalls als professioneller Producer lokaler Bands einen Namen.
Die Aktivitäten im Studio Z werden von der ansässigen Bevölkerung in dem
spießigen Provinznest jedoch mit Argwohn beobachtet. Letztendlich macht die
Polizei das Studio wegen sichergestellter Beischlafgeräusche und angeblicher
sexueller Perversionen dicht. Zappa wird zu zehn Tagen Haft verurteilt und
erhält die Bewährungsauflage, in den nächsten Jahren mit keiner unverheirateten
Frau unter 21 in Kontakt zu treten, außer in Anwesenheit eines
Erziehungsberechtigen. Etwa zwei Jahre später tauchen die Tonband-Geräusche im
The Mothers-Song "Help I Am A Rock" wieder auf. Aufgrund der zahlreichen
Querelen verkauft Frank Zappa jedoch das Studio Z und zieht nach Los Angeles.
Ende 1964 schließt er sich dort der Band Soul Giants an, die sich schnell in The
Mothers umbenennen. Ein Grund hierfür ist, dass sich der anfängliche Soul-Stil
der Band schnell hin zu Zappas Kompositionen wandelt. Frank wird nicht nur der
neue Gitarrist, sondern auch Chef der Band. Ihre Musik zeichnet sich durch
verwirrende Beats und Breaks, sowie Rhytmus- und Taktwechsel aus. Bei Auftritten
werden aus etwaigen Hitwünschen des Club-Publikums meist entstellte Parodien.
Diese provozierende Spielart der Mothers und ihr garstig-freakiges
Erscheinungsbild trägt zu dem steigenden Subkultur-Mythos und der Bekanntheit im
Underground bei.
Nach zahlreichen Gigs gelingt der eigentliche Durchbruch 1966 mit dem
Debüt-Album "Freak Out!", dem ersten Doppelalbum der Rock-Geschichte. Dabei
besteht die Plattenfirma auf den Namensänderung in The Mothers Of Invention,
weil sie befürchtet, dass keine Band mit der einfachen Bezeichnung The Mothers
eine Chance hätte, im Radio gespielt zu werden. Dabei steht der Name weit hinter
dem Stil zurück. Mit den zahlreichen sozialkritischen Aspekten und Parodien des
sanften Rock'n'Roll der 50er Jahre, sowie Schreien und Gelächter, steigen die
Mothers Of Invention in der Underground-Szene von Los Angeles zur Kultband auf.
In den folgenden Jahren festigt sich die Position Zappas in der Szene. Langsam
entwickelt er sich bedingt durch seinen innovativen musikalisch-vermischenden
Umgang mit Techniken des Free Jazz und Klangstrukturen und
Kompositionsprinzipien zeitgenössischer Komponisten zur Kultfigur. In den
nächsten drei Jahren erscheinen noch fünf weitere Alben der Mothers, bis sich
die Band Ende der 60er unter anderem wegen finanzieller Schwierigkeiten auflöst.
1969 heiratet Zappa Gail Sloatman, mit der er zwei Söhne (Dweezil und Ahmet
Redan) und zwei Töchter (Moon Unit und Diva) hat.
Nach wenigen Tagen Drehzeit erscheint 1971 Frank Zappas erster Film "200
Motels", zu dem auch ein gleichnamiger Soundtrack erscheint. Er handelt von dem
Leben einer tourenden Band Ende der 60er. Seine aktuelle Band löst sich nach
einem Unfall Zappas auf, der ihn zunächst zwingt, alle musikalischen Aktivitäten
einzustellen. Er wird beim Auftritt mit dem London Rainbow Orchestra von einem
Zuschauer in den Bühnengraben gestoßen. Dabei verletzt er sich stark, so dass er
erst mal im Rollstuhl unterwegs ist und eine Kehlkopfverletzung seine Stimmlage
dauerhaft vertieft.
Ab 1976 bildet Zappa für seine Alben verschiedene Line-Ups mit Solo-Künstlern
wie beispielsweise Steve Vai, Ray White, Mike Keneally und Ike Willis. Auch
Zappa selbst gastiert im Laufe der Jahre als Gitarrist oder Producer unter
anderem bei den Monkees, Fraternity Of Man oder auch John Lennon. 1986
verkörpert er einen Drogenhändler in der Krimi-Serie Miami Vice.
Seit Mitte der 80er Jahre nimmt seine immer schon vulgäre und Sex-bezogene
Sprache eine noch verschärftere Form an. Als Grund hierfür kann man den Versuch
des sogenannten PMRC (Parents' Music Resource Center) sehen, das sich unter
anderem für eine verstärkte Zensur in der Musik einsetzt. Dagegen protestiert
Zappa nicht nur persönlich bei Ronald Reagan oder in Kongreß-Hearings, sondern
eben auch mit seinen Texten. In diesen widmet er dem Thema Sexualität größten
Raum, pornographische Elemente treten in den Vordergrund. Seine
schmutzig-ordinären Texte zielen gegen sittlichen Sauberkeitswahn, er attackiert
damit alle gesellschaftlichen Sexual-Tabus, wobei ebenfalls Gewalt eine Rolle
spielt.
Die schlechten Erfahrungen mit der Musik-Industrie veranlassen Zappa zur
Gründung der Barking Pumpkin Gesellschaft und eines eigenen Versandhandels, um
selbst die Kontrolle über seine Produktionen zu haben und von Plattenfirmen
unabhängig zu sein. Hierbei wird er bei der Management-Arbeit zunächst von
seiner Frau Gail unterstützt. Um dem ausufernden Bootleg-Geschäft
entgegenzutreten, überspielt Zappa kurzerhand die beliebtesten
Schwarz-Pressungen und bringt sie selbst heraus. Rein musikalisch tritt die
Gitarre in seinen Kompositionen immer weiter in den Hintergrund und wird
abgelöst durch den vermehrten Einsatz des Synklavier. Mit seinen großen
Kenntnissen in Musikgeschichte und -tradition, sowie seinen Fähigkeiten, in
vorhandenen Stilarten Nischen zu finden, produziert er mit dem Synklavier die
Alben "Francesco Zappa" und "Jazz From Hell". Für letztere Solo-Platte erhält er
1987 den Grammy für das beste Rock-Instrumental-Album.
Ende des Jahres 1991 erkrankt Frank Zappa an einem spät diagnostizierten
Prostata-Krebs.
In der folgenden Zeit erlebt er noch ein steigendes Interesse sowohl an seinen
Rock- wie auch den Klassik-Werken. Für sein künstlerisches Schaffen, das bis zu
diesem Zeitpunkt über 60 Studio- und Live-Alben, sowie einzelne Filme umfasst,
wird Frank Zappa am 19. Februar 1992 mit dem Lifetime Achievement Award des Los
Angeles Music Award geehrt. Der Krebs schwächt ihn jedoch so weit, dass er bei
der Live-Aufführung seiner Komposition "Yellow Shark" mit dem Frankfurter
Ensemble Modern im Jahr 1993 das Dirigentenpult verlassen muss. Frank Zappa
stirbt am 4. Dezember 1993 in Laurel Canyon, Kalifornien.
Posthum wird er 1994 in die Down Beat Critics Hall of Fame aufgenommen. Seiner
Familie hinterlässt er ein riesiges Privatarchiv mit vielfach unveröffentlichtem
Material, dessen Exklusivrechte vertraglich bei Rykodisc liegen.
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Frank Zappa - das Rockidol. Er gilt noch heute als Bürgerschreck,
Underground-Prophet, als Musikvisionär. Seine Musik war eine Herausforderung.
Mit Bobby Brown, seinem großen Hit, machte er Geld. Doch eigentlich tummelte
sich der Sohn sizilianischer Einwanderer lieber außerhalb der Kommerzkultur, in
der Welt der frechen Klänge. Zappa, der Avantgardist, immer auf der Suche nach
neuen Tönen und Klängen.
Zappa - der Musikvisionär. Wovon viele träumen, das war für ihn
selbstverständlich: die peniblen Grenzen zwischen Pop, Jazz und E-Musik
aufzubrechen. Ob Ravel, Strawinsky, Schönberg, alles fraß er vergnüglich in sich
hinein und heraus kam: Zappa, mit Lust an der Provokation und beißender Ironie.
Zappa probierte sich in allen Richtungen aus: ob Rock'n Roller oder rastloser
Experimentator. Er war einer von den großen Pop-Revolutionären, wie Lennon oder
Hendrix.
Zappa war der Guru, und mit ihm berühmt wurde seine Band, die legendären "Mothers
of Invention". Don Preston, Ex-Mitglied der Band, erinnert sich: "Bei Zappa
wussten wir nie, was wir spielen würden. Wir hatten keinen Ablauf. Zappa sprang
in die Luft, und wenn er wieder aufkam, sollten wir einen neuen Song anfangen.
Und wir wussten nicht welchen. Aber irgendwie spielten wir immer das Richtige."
»Der Sound, den er mit seiner Band kreierte, war revolutionär. Nie hatte man so
etwas gehört.« Dirigent Kent Nagano über Frank Zappa
Kultiviert und äußerst raffiniert. Selbst die Protagonisten der Klassischen
Musik sind des Lobes voll. So sagt der Dirigent Kent Nagano über seinen Freund
Frank Zappa: "Der Sound, den er mit seiner Band kreierte, war revolutionär. Nie
hatte man so etwas gehört. Äußerst kultiviert und äußerst raffiniert. Auf einem
Niveau, von dem die übrige Rockmusik weit, weit entfernt war." Die Mitstreiter
haben sich noch einmal formiert. Aus den Mothers von einst sind die Grandmothers
geworden. Zum zehnten Todestag ihres Meisters gehen sie auf Reisen. In ihrem
Gepäck: viel Zappa-Musik plus wehmütige Erinnerungen. Don Preston sagt über
Zappa: "Er war einer der besten Komponisten, die vom Rock'n Roll kamen."
Zappa ist tot, doch die Legende lebt weiter. In Mecklenburg-Vorpommern steigt
jährlich das internationale Zappafestival, die Zappanale. Schon ihretwegen -
sagen die Zappalogen - hat sich die Wende gelohnt. Nun steht in Bad Doberan ein
Zappa-Denkmal, das im Geburtsort Baltimore und auch in Los Angeles, wo Zappa
lebte, noch aussteht.
Bis zu seinem Tode im Dezember 1993 hatte Frank Zappa 60 LPs veröffentlicht. Die
alten Songs werden nun neu gesichtet. Noch einmal soll die zu Musik gewordene
anarchische Hassliebe zu Highways, Motels und Hamburgern laut werden. Gerade ist
die Platte der Grandmothers erschienen. Die Erfolgsgeschichte jenes Mannes, der
sich der Welt am denkbar privatesten Ort präsentierte, ist noch lange nicht zu
Ende.
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Frank Zappa Biografie (unbekannter Autor - gefunden im Internet)
Am 21. Dezember 1940 kam in Baltimore
(Maryland) der wohl umstrittenste Musiker der Rockgeschichte zur Welt. Die
Vorfahren des Komponisten, Gitarristen, Arrangeur, Produzenten und Regisseurs
sind nach eigenen Angaben französisch, arabisch, sizilianisch und griechisch.
In der neuen Schule in Lancaster (Kalifonien) hat Frank zunächst wenig Freunde
und gilt als Aussenseiter. Das konnte ihn aber nicht von seiner Leidenschaft zur
Musik abhalten und so wurde er 1951 Schlagzeuger der Schulband und begann erst
1965 mit dem Gitarrenspiel. Fasziniert vom französischen Komponisten Edgar
Varese begann Zappa schon mit 15 Jahren, klassische Stücke für Orchester zu
schreiben und befasst sich intensiv mit der Musik-Theorie. Als er 1958 die High
School abschloss, absolvierte er Kurse in Hamornie- und Kompositionslehre.
Als er mit 18 Jahren von zu Hause auszog, um auf eigenen Beinen zu stehen,
verdiente er seine Brötchen mit kurzlebigen Rock n' Roll-Bands. Seine erste
Combo hieß The Blackouts (später The Omens) und er eignete sich neben der
Gitarre auch noch das Orgel-, Vibraphone- und Klavierspiel an. Das hatte den
Vorteil, dass er als Barpianist noch nebenbei etwas Geld dazu verdiente. Sein
erstes Studio, sein sogenanntes "Studio Z", konnte er sich leisten, als er auch
noch Filmmusik ("Run Home Slow" (1959), "The World's Greatest Sinner" (1962))
schrieb und machte sich zusätzlich noch als Produzent lokaler Bands einen Namen.
Allerdings war das Studio kein gewöhnliches Studio, so dass die Polizei dieses
wegen angeblicher sexueller Perversion und lauter Beischlafgeräusche dicht
machte. Dazu kommen zehn Tage Haft für Zappa und die Auflage, sicher keiner
unverheirateten Frau unter 21 zu nähern, außer in Begleitung eines
Erziehungsberechtigten. Er verkauft das Studio später und zieht nach Los
Angeles.
Dort schließt er sich 1964 der Band Soul Giants an, die sich aber bald in The
Mothers umbenennen. Der Einfluss Zappas in den Stil der Band wird so stark, dass
er folglich Chef der Band wird und die Musik ist lastig an wiirend Beats und
Breaks und die Konzerte entpuppen sich schnell zu abstrakten
Improvisations-Happenings, was zu einem hohen Bekanntheitsgrad im Underground
beiträgt. Der endgültige Durchbruch gelang ihnen 1966 mit dem Debüt-Album "Freak
Out!", dem ersten Doppelalbum der Rockgeschichte. Die Band wird aus
Marketinggründen in The Mothers Of Invention umbenannt und steigt mit ihrem
eigenwilligen Stil als Kultband auf.
In den Jahren darauf wird Zappa eine feste Größe in der Szene und entwickelt
sich zur Kultfigur. Mit den Mothers veröffentlicht er noch fünf Albem, bis sich
die Band Ender der 60er aus finanziellen Gründen auflöst. Er heiratet 1969 Gail
Sloatman und hat mit ihr zwei Töchter (Moon Unit und Diva) und zwei Söhne (Dweezil
und Ahmet Redan).
Zappas erster Film und gleichnamiger Soundtrack "200 Motels" erscheint 1971 und
handelt vom Touren einer Band Ende der 60er Jahre. Nach einem Unfall Zappas,
welcher ihn zum Einstellen aller musikalischen Aktivitäten zwingt, löst sich
seine aktuelle Band auf. Bei einem Konzert mit dem London Rainbow Orchestra wird
Zappa von einem Zuschauer in den Bühnegraben gestoßen, was ihn in einen
Rollstuhl zwingt und die Stimme dauerhaft durch eine Verletzung des Kehlkopfs
dauerhaft vertieft.
Ab 1979 macht Zappa weiter und nimmt Platten mit Künstlern wie Steve Vai, Mike
Keneally, Ray White und Ike Willis auf. Er selbst gastiert auf Alben von den
Monkees oder John Lennon. Als Schauspieler ist er 1986 in Miami Vice zu sehen:
Er spielt einen Drogenhändler.
Mitte der 80er nimmt seine vulgäre Sprache ungeahnte Ausmaße an und protestiert
so gegen die Musikzensur. Nicht nur in seinen Texten zeigt er seine Ansichten,
auch auf Kongressen oder bei Ronald Reagen persönlich macht er keinen Hehl aus
seiner Abneigung gegenüber der Zensur.
Das geht der Plattenindustrie zu weit und zwingt Zappa zur Gründung der Barking
Pumpkin Gesellschaft und eines eigenen Vertriebes. Er stellt das Gitarrespielen
immer mehr in den Hintergrund und konzetriert sich auf das Spielen des
Synklaviers, das auf den Alben "Francesco Zappa" und "Jazz From Hell" verstärkt
zum Einsatz kommt. Letzteres erhält 1987 einen Grammy als bestes
Rock-Instrumental-Album.
Ende 1991 erkrankt Zappa an Prostatakrebs, der zu spät diagnostiziert wurde. Er
widmet sich verstärkt der Msuik und wird 1992 mit dem Lifetime Achievement Award
bei den Los Angeles Music Awards ausgezeichnet und stirbt am 4. Dezember 1993 in
Laurel Canyon, Kalifornien.
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Frank Zappa - Mothers of Invention (Quelle: © Systhema
- Editorial Verlag)
Zu Zeiten seiner Mothers Of Invention galt er als Bürgerschreck schlechthin.
Aber der Oberclown der Rockmusik war vor allem ein ungemein kreativer Musiker,
eine der wirklich schillernden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik. Er
scheute keine stilistischen Risiken und wurde von Heinz Rudolf Kunze in einem
Artikel 1973 treffend als "musikalischer Innovator und akribischer Komponist"
(Focus) beschrieben. Zappa stellte alle Konventionen in Frage, entstaubte den
eher konservativen Rocksound und blieb immer ein Außenseiter, "ein Individualist
wie er im Buche steht" (Westdeutsche Zeitung). Seine Fähigkeit, als Satiriker
das verhaßte amerikanische Bürgertum zu persiflieren, war ebenso unumstritten
wie seine Qualität als filigraner, fortschrittlicher Gitarrist.
Frank Zappas Werk umfaßt rund 50 sehr unterschiedliche Alben, von denen sich
lediglich die vergoldeten "Over-Nite Sensation" und "Apostrophe" sowie "Sheik
Yerbouti" und die Trilogie "Joe's Garage" überdurchschnittlich gut verkauften.
Seine einzigen nennenswerten Singlehits gelangen ihm 1979 mit der Discoparodie
"Dancing Fool" und dem Duett mit Tochter Moon Unit, "Valley Girl", von 1982.
Francis Vincent Zappa, "eine der konstant kontroversen Persönlichkeiten des
Rock" (Rolling Stone), wurde als Sohn sizilianisch / griechischer Eltern am 18.
12. 1940 in Baltimore, Maryland, geboren. Seine Familie zog an die Westküste und
ließ sich 1956 im kalifornischen Lancaster nieder. Zappa schlug die Trommel im
Musikzug der Schule und saß hinter dem Schlagzeug der achtköpfigen RB-Band
Blockouts. Die Gruppe brach auseinander, als Zappa seine erste Frau Kay
heiratete und sich 1959 am Chaffey College in Alta Loma, Kalifornien, für
Musiktheorie einschrieb. Er brach das Studium nach sechs Monaten ab und
konzentrierte sich auf seine Gitarrenlaufbahn. Zappa lernte Don Van Vliet
kennen, dem er das Pseudonym Captain Beefheart gab. In den folgenden zehn
Monaten spielte Zappa Cocktailmusik in den örtlichen Unterhaltungsbars.
1960 widmete sich Frank Zappa ersten Aufnahmen und schrieb den Soundtrack zu
einem B-Movie, das unter dem Titel "The World's Greatest Sinner" in den Kinos
lief. Steve Allen lud ihn in seine Fernsehshow ein, und Zappa führte sein "Bicycle
Concerto" auf. 1963 komponierte er die Musik zu dem Billigwestern "Run Home Slow",
kaufte sich von dem Erlös eine elektrische Gitarre und richtete sich in
Cucamonga, Kalifornien, ein winziges 3-Spur-Studio ein. Außerdem plante er mit
Captain Beefheart und den späteren Mothers, Ray Collins (voc, harm, perc) und
Jim "Motorhead" Sherwood (sax, voc, g), ein Projekt namens Soots. Die Aufnahmen
dieser Gruppe blieben unveröffentlicht.
Nach einigen Schwierigkeiten mit der amerikanischen Justiz - Zappas Studio
geriet unter den Verdacht, pornographisches Material zu produzieren - schloß
sich Zappa in Los Angeles den Soul Giants an, die er erst Muthers und ab 1965
Mothers Of Invention nannte. In der Originalformation spielten neben Zappa (g,
voc), Collins, Roy Estrada (b), Jimmy Carl Black (dr) und Dave Coronada (sax),
der wenig später durch den Gitarristen Elliot Ingber ersetzt wurde. Ein Jahr
benötigten die Mothers, um ihr buntes, böses Politrock-Kabarett im
kalifornischen Underground durchzusetzen. Anfang 1966 nahm Tom Wilson (Bob
Dylan, Velvet Underground) die Gruppe für MGM Records unter Vertrag.
Ursprünglich wollte er nur eine Single mit der Band produzieren, doch als er die
"Mütter" im Studio erlebte, investierte er 21 000 Dollar in das Album "Freak
Out", das "romantischen Pop und Protestsongs wie "Who Are The Brain Police?""
(Rolling Stone) enthielt. Zappa wurde dabei von Black, Estrada und Ingber
begleitet. Freak Out gilt als eine der ersten Konzept-LPs der Rockgeschichte und
ist eine präzise, ironische Skizze der damaligen Underground-Szene von L. A.
Da Ingber anschließend zu den Fraternity Of Men abwanderte, mußten die Mothers
Of Invention 1967 für "Absolutely Free" (US #22) umgebildet werden. Zappa, Black
und Estrada bekamen Verstärkung durch Collins, Billy Mundi (dr), Don Preston (key)
und Bunk Gardner (sax). Songs wie "Plastic People" und "America Drinks"
bestätigten Frank Zappa als enfant terrible und hintergründigen Chronisten
seiner Zeit. Die Mothers nahmen ein sechsmonatiges Engagement im Garrick Theatre
New York an. Vierzehn Mal pro Woche präsentierten sie ein skurriles,
provozierendes Rocktheater, bei dem Zappa Zeremonienmeister und Politrebell in
einer Person war. Kein Wunder, daß konservative Kräfte in den USA Kampagnen
gegen die "Obermutter aller Freaks" (Musik Express) starteten.
Zum Cover von "We're Only In It For The Money" (US #29) holte sich Zappa in
London die Erlaubnis von den Beatles, deren "Sgt. Peppers"-Cover zu karikieren.
Pianist Ian Underwood und Saxophonist Jim Sherwood erweiterten das Ensemble, das
zwischenzeitlich in England gastierte und sich danach zur ersten offiziellen
Soloplatte von Zappa zur Verfügung stellte. Auf "Lumpy Garvey" (US #87)
verarbeitete Frank Zappa vielschichtige Einflüsse, von modernen Komponisten wie
Strawinsky und Varese über den Blues bis hin zur Avantgarde. An die 50 Musiker
und Chorsänger benötigte das Allroundtalent für diese Arbeit. So entstand "ein
kurios inkonsistentes Stück, welches eigentlich ein Ballett werden sollte, aber
es irgendwie nicht schaffte" (Frank Zappa).
Anfang 1968 zogen sich Zappa & Co. zu einer fünfmonatigen Klausur ins New Yorker
Apostolic Studio zurück, um zwei unterschiedliche Konzepte zu entwickeln.
Einzige personelle Veränderung: Billy Mundi, der zu Rhinoceros wechselte, wurde
durch Artie Tripp an den Drums ersetzt. "Cruisin With Ruben & The Jets" (US #49)
und das Doppelalbum "Uncle Meat" (US #38) verdeutlichten die gegensätzlichen
musikalischen Pole Frank Zappas. "Ruben" war authentischer Rock 'n' Roll der
50er Jahre, die den Plattenkäufer glauben machen konnte, das eben erworbene Werk
sei mindestens 10 Jahre alt. "Uncle Meat" dagegen zeigte Zappa als Provokateur
mit experimentellen, minimalistischen Avantgarde-Ansätzen. Anschließend kam die
Band zurück nach Los Angeles, und Zappa heiratete zum zweitenmal.
Die Ära der Mothers Of Invention fand 1969 nach zwei weiteren Alben ein
vorübergehendes Ende. "Weasels Ripped My Flesh" faßte Live- und Studioaufnahmen
zwischen 1967 und 1969 zusammen, und in "Burnt Weeny Sandwich" (US #88) erkannte
z. B. Billboard "eine Rückkehr Zappas zu seinen Wurzeln". Im Oktober 1969
erklärte Frank Zappa vor der Presse: "The Mothers Of Invention, diese
berüchtigte und rockende Teenagercombo, hat aufgehört, Konzerte zu geben. Es ist
möglich, daß es zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Publikum das vorhandene
Plattenmaterial angenommen hat, zu einer Wiedervereinigung kommt."
Augenscheinlich fühlte sich Zappa mißverstanden, war desillusioniert, verärgert
durch Konzertkrawalle, wie beispielsweise in Berlin. Er konzentrierte sich auf
das Label Bizarre Records, das er mit seinem Manager Herb Cohen gegründet hatte,
und förderte sehr exzentrische Künstler, wie Wild Man Fisher oder die Frauenband
G.T.O.s. Außerdem produzierte er für Captain Beefheart "Trout Mask Replica".
Seine zweite Soloplatte hieß Ende 1969 "Hot Rats" (US #10), auf der ihn Jean-Luc
Ponty und Don "Sugarcane" Harris sowie Captain Beefheart als Vokalist
unterstützten. Die 70er-LP "Chunga's Revenge" lebte dagegen überwiegend von
Zappas instrumentalen Ausflügen in den Bereich der Fusion von Rock, Jazz und
Blues. Zu diesem Zeitpunkt plante er bereits eine Neuauflage der Mothers Of
Invention, um sein skurriles Filmdrehbuch "200 Motels" auch auf Konzertbühnen zu
testen. Die absurde, vollkommen ausgeflippte Story über den Lebenswandel eines
Rockmusikers wurde sowohl als Film als auch als Doppel-LP (US #57) von United
Artists verlegt. Zur Studioproduktion fand sich neben den Ex- Turtles Howard
Kaylan (voc), Mark Volman (voc) und Jim Pons (voc, b), dem Ehepaar Ian (key) und
Ruth Underwood (perc), dem erfahrenen britischen Drummer Aynsley Dunbar und
Jazz-Rokker George Duke (key) das komplette Royal Philharmonic Orchestra ein.
1971 trat Frank Zappa außerdem als Überraschungsgast bei den New Yorker
Gastspielen von John Lennon und Yoko Ono auf und erlebte darüber hinaus eine
katastrophale Europatournee. In der Schweiz wurde die gesamte Anlage gestohlen,
und in London verletzte sich Zappa ernsthaft, nachdem ihn der erregter Ehemann
eines weiblichen Fans von der Bühne im Rainbow Theatre stieß. Frank Zappa
verbrachte fast zwölf Monate im Rollstuhl und feilte am neuen Konzept der
Mothers Of Invention (ohne Ruth Underwood und Duke, dafür mit Don Preston an den
Keyboards).
Gleich drei Alben erschienen 1972. "Just Another Band From L. A." (US #80), "Waka
Jawaka" und "The Grand Wazoo" leiteten einen stilistischen Wechsel weg vom
Countryrock, hin zum Jazzrock ein. Seine Anhänger reagierten verwirrt oder
ablehnend auf die veränderten musikalischen Vorzeichen. "Das ingeniöse Monument
zeitgenössischer Musik" (Süddeutsche Zeitung) ließ sich nicht beirren und
produzierte mit ständig wechselnden, bis zu 20 Musiker starken Formationen (u.
a. mit Duke, dem Drummer Chester Thompson und Jazzer Mike Altschul) "Over-Nite
Sensation" und, wegen der vielen illegalen Mitschnitte seiner Konzerte, das
Live-Doppelalbum "Roxy & Elsewhere" (US #38).
Jack Bruce (b), die Underwoods, Dunbar, Duke, Ponty und Napoleon Murphy Brock (sax)
zählten zu den Stargästen von "Apostrophe" (US #19). Seine erfolgreichste Platte
erinnerte streckenweise an Zappas früheren Zynismus, und Sounds rezensierte
hoffnungsfroh: "Seine Angriffe gegen die amerikanischen Spießbürger wirken immer
dann am besten, wenn der musikalische Schrott dieser mittelständischen Welt als
Soundtrack zum Text verwendet wird." 1975 beendete "One Size Fits All" (US #34)
endgültig die Ära der Mothers. Die LP erschien wie alle Platten zwischen 1973
und 1979 auf dem Label Discreet Records, das Zappa unterhielt, um seine
Unabhängigkeit zu wahren; denn die Plattenindustrie forderte immer wieder Hits
von dem "arbeitswütigen Musik-Guerilla" (Musik Express). Ebenfalls 1975
produzierte Zappa zusammen mit Captain Beefheart "Bongo Fury" (US #68).
Die anschließende Veröffentlichungspolitik blieb bis etwa 1979 relativ
undurchsichtig. Zappa widmete sich 1976 der Produktion der Grand Funk-LP "Good
Singin' Good Playin'". Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit seinem
einstigen Partner Herb Cohen und dem Vertrieb von Reprise Records ging es um
zehn Millionen Dollar. Besonders erwähnenswert aus dieser Zeit sind der
Mitschnitt "In New York" (US #66), die instrumentalen Leistungen von "Sleep Dirt"
und das orchestrale Werk "Studio Tan", über das Zappa sagte: "Stücke von
gewaltiger Schönheit, durchsetzt von Sensibilität, scharfen Einsichten,
stolprigen sozialen Bedeutungen, laut, sanft, mysteriös." 1979 gründete er das
Label Zappa Records und nannte zukünftig alle seine Begleitgruppen ebenfalls
Zappa. Zunächst erschien die Doppel-LP "Sheik Yerbouti" (GB #25, US #36, D #10)
mit den überragenden Parodien auf die Disco-Welle ("Dancin' Fool") und
Punk-Revolte ("I'm So Cute") und der in Deutschland in den Top 10 plazierten
Single "Bobby Brown" (D #4). Es folgte eine LP-Trilogie im Rockopercharakter.
Auf "Joe's Garage Act I" (US #42, D #41) "Act II & III" (US #80, D #31) und "Tinseltown
Rebellion" (US #56, D #23) ließ Zappa seine persönlichen Erfahrungen mit der
Musikindustrie einfließen: Es ist die Geschichte eines Musikers, der mit dem
Gesetz in Konflikt geriet, nur weil er überlaut Gitarre spielte. In dieser
vielleicht witzigsten Periode Zappas kam er nach dem bissigen "Don't Eat The
Yellow Snow" (US #74) vom Herbst 1974 mit "Dancin' Fool" (US #54) zum zweiten
Mal in die nordamerikanischen Singlecharts.
Im Anschluß an "Tinseltown" bot Zappa ausschließlich über den Postvertrieb auf
der Dreifach-Platte "Shut Up'n Play Yer Guitar" eigenwillige Gitarrenexkursionen
an, die ihn als kreativen Musiker auswiesen.
Er plante außerdem anläßlich einer Europatournee ein Orchesterwerk mit den
Wiener Philharmonikern, produzierte in New York ein Konzert mit Kompositionen
von Edgar Varese und tauchte im Juli 1982 überraschend mit Tochter Moon Unit mit
"Valley Girl" (US #32) in den Hitparaden auf. Auch in den 80er Jahren blieb
Zappas Aktionsradius unverändert groß. Mit dem Gitarrentalent und
"Saitenakrobat" (Fachblatt) Steven Vai (später in der Band von David Lee Roth)
nahm er zwischen 1982 und 1985 sechs Alben auf, darüber hinaus "The Perfect
Stranger" mit klassisch ausgebildeten französischen Musikern. Die besten
Kritiken in dieser Phase - "textmäßig schwachsinnig, musikalisch durchaus
gehaltvoll" (Musik Express) - erzielte er für die Musik von "Ship Arriving Too
Late To Save Drowning Witch" (US #23, D #65), "Them Or Us" (GB #34, D #42) und
die "grotesken Klangkollagen aus Free Jazz, Pop und avantgardistischer E-Musik"
(Musik Szene) auf "Meets The Mothers Of Prevention" (GB #46).
Zappas wüste, oft ordinäre Anarchosprache hatte sich überlebt und wurde nur noch
milde belächelt. Dafür rückte der Gitarrist Frank Zappa immer mehr in den
Mittelpunkt. Seine mutigen Improvisationen galten als die "Quintessenz des
Grotesken in der Rockmusik" (Guardian). Während "Jazz From Hell" (GB #46) 1986
vom technischen Können des Meisters lebte und in der Kategorie bestes
Rockinstrumental mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, präsentierte sich Zappa
im Jahr darauf mit "Does Humor Belong In Music?" als "Rock-Jazz-Genie mit
Clown-Talenten" (Musik Szene). Einige seiner besten Soli stellte er schließlich
1988 für eine weitere Doppel-LP unter dem Titel "Guitar" (D #40) zusammen. Im
Frühjahr 1988 startete Zappa die sechsteilige Serie "You Can't Do That On Stage
Anymore", die Live-Höhepunkte dokumentierte. Auch die anschließende Tournee
Broadway To The Hard Way, die sich wirtschaftlich als Flop erwies und in deren
Verlauf Zappa auch in der damaligen Sowjetunion gastierte, lieferte wieder Stoff
für eine Live-Platte.
1990 kam Zappas Autobiographie "The Real Frank Zappa Book" in die Buchläden. Im
Januar traf er den tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel in Prag, um ihn
für seine Fernsehshow Frank Zappa's Wild Wild East zu interviewen: "Er hat mir
gesagt, daß er meine Platten mag, besonders Bongo Fury" (Frank Zappa). 1991
liebäugelte Frank Zappa mit einer Präsidentschaftskandidatur.
Im Rahmen des Frankfurt Festival '92 wurde im September in der Frankfurter Alten
Oper Zappas Orchestersuite "The Yellow Shark" aufgeführt, die im Spätsommer 1993
auch als Album herauskam. Im November 1991 erklärten Zappas Kinder Moon und
Dweezil in New York, daß ihr Vater an Prostata-Krebs erkrankt sei und deshalb
nicht an seinem viertägigen Projekt Zappa's Universe aus Anlaß seines 50.
Geburtstages teilnehmen könnte. "The Yellow Shark" (D #61) war die letzte
Veröffentlichung zu Lebzeiten Zappas, der am 4. 12. 1993 in seinem Haus in Los
Angeles starb.
Posthum erhielt "der Meister des perfekt getimten Chaos" (Musik Express) für
"Sofa", gespielt von Zappa's Universe Rock Group mit Steve Vai als
unumstrittenem Star, erneut in der Sparte bestes Instrumental einen Grammy.
Darüber hinaus wurden diverse Alben veröffentlicht. Neben Ansammlungen obskurer,
technisch manchmal unzureichender Tondokumente fielen die sorgfältig
ausgewählten Retrospektiven "The Lost Episodes" und "Läther" sowie die von "King
Zappa" (Billboard) noch persönlich neu gemischten fünfzehn Klassiker von "Have I
Offended Someone" positiv auf.
Unter Führung von Jimmy Carl Black und Don Preston formierten sich 1981 Teile
der Ur-Mothers zu den Grandmothers, die leicht nostalgische Tourneen
absolvierten und auch wieder ins Studio gingen, ohne jedoch den erhofften Erfolg
erzielen zu können. 1987 demonstrierte Zappas gerade 17jähriger Sohn Dweezil,
Moderator beim VideoclipKanal MTV, auf seinem LP-Debüt "Havin' A Bad Day", daß
er seinem Vater als fingerfertiger Gitarrist in nichts nachstand. Schon mit
seiner zweiten Platte "My Guitar Wants To Kill You" erwies sich Dweezil Zappa
"als Gitarrist der ersten Hardrock-Garnitur" (Musik Express). Als Produzent des
vielversprechenden Talents stellte sich der Heavyspezialist Beau Hill (Ratt,
Twisted Sister) zur Verfügung.
Die Grandmothers bewegten sich in der Besetzung Jimmy Carl Black, Bunk Gardner,
Don Preston, Sandro Oliva und Enker Bladezpper auf alten Mothers Of
Invention-Pfaden. "Who Could Imagine" wurde teilweise auf einer Europatournee
mitgeschnitten, auf "Dreams On Long Play" war allerdings nur noch Black
übriggeblieben.
"Kein Akkord ist hässlich genug, um all die Scheußlichkeiten
zu kommentieren, die von der Regierung in unserem Namen verübt werden", sagte
Zappa höchst aktuell zu Zeiten des Vietnamkriegs, Mitte der Sechziger. Zunächst
studierte der als Francis Vincent in Baltimore geborene Künstler jedoch
Musiktheorie am Chaffey College in Kalifornien. In dieser Zeit absolvierte er
nach Informationen des verstorbenen Jazzforschers Joachim Ernst Behrendt auch
einen Sommerkurs für "Zeitgenössische Musik" im hessischen Darmstadt, bei dem
Neutöner wie Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel als Dozenten auftraten.
Das Internationale Musikinstitut Darmstadt kann allerdings keine Unterlagen über
den angeblichen Besuch des knapp Zwanzigjährigen finden. Kein Wunder, denn er
habe, so seine ehemalige Frau Gail Zappa zu SPIEGEL ONLINE , überhaupt "erst
1967 seinen ersten Pass bekommen", um die USA für Tourneereisen zu verlassen.
Student Zappa, soviel ist gesichert, orientierte sich an französischen
Komponisten wie Edgar Varèse und Pierre Boulez und schätzte die europäische
Avantgarde der Neutöner.
Perfektionismus Made in Germany
In Süddeutschland lernte der junge Zappa, Sohn einer Familie mit
griechisch-arabisch-sizilianischen Vorfahren, offenbar auch das Land von Bach
und Beethoven schätzen. "Er war verrückt nach Germany", sagt Brock, Mitglied der
späten Mothers of Invention. Das könnte gute Gründe haben: Zappa forderte
unerbittliche Perfektion und brachte mit seinem diktatorischen Auftreten ganze
Generationen von Bandmitgliedern zur Verzweiflung. Auch seinen langjährigen
Toningenieur Claus Wiedemann aus dem hessischen Viernheim, der sein erstes
Elektronikstudio nach der Schule 1969 im südhessischen Bensheim bei Darmstadt
betrieb, wählte der US-Musiker wohl wegen dessen penibler Genauigkeit und
kompromisloser Qualität. Zappa warb Wiedemann bei einer Deutschland-Tournee aus
den Diensten einer Vorgruppe ab. Von dort zog der Süddeutsche nach Los Angeles
und sorgte für jenen perfekten Dolby-Sound der Zappa-Produktionen im Studio und
auf der Leinwand, die später mit einem Oscar ausgezeichnet wurden.
Anfang der siebziger Jahre besuchten Zappa und Wiedemann bei
Europatourneen diverse Spitzenrestaurants der badisch-französischen Küche; in
Heidelberg verkehrte Zappa regelmäßig in den Gewölben von Deutschlands ältestem
Jazzclub "Cave", der von Zappas deutschem Konzertveranstalter Fritz Rau 1954
mitgegründet worden war. Wie sich andere Zeitzeugen erinnern, entschwand der
schnauzbärtige Meister damals regelmäßig in die Nacht zu einer blonden Muse,
einer Angestellten aus dem Ort Sandhausen an der Bergstraße. Die etwas ältere
Frau begleitete den 33-Jährigen, der ein eigenes musikalischen Groupie-Projekt
förderte, auch auf der Europatournee nach Mailand. "In Europa hatte wir immer
viel Spaß", sagt Brock, der als Afroamerikaner in seiner Familie selbst deutsche
Vorfahren ausgemacht hat
Nach dem frühen Tod Zappas 1993 durch Prostatakrebs führte seine Frau Gail das
musikalische Erbe in eine Familien-Stiftung über, die mit juristisch harten
Bandagen die Urheberrechte des Meisters sichert. Trotzdem findet jährlich eine "Zappanale"
im mecklenburg-vorpommerischen Bad Doberan statt, bei der deutsche
Zappa-Revivalbands oder diverse Klassik-Popensembels aus Finnland oder Italien
auftreten.
So gilt für Zappa das, was er einmal über eine von ihm geschätzte Musikrichtung
sagte: "Jazz is not dead, it just smells funny". Übersetzt wurde die
Liebeserklärung gerne mit: "Jazz ist nicht tot, er riecht nur ein bisschen
komisch."
(Quelle: Spiegel Online - Sebastian Knauer, 17.09.2004)
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,318432,00.html
FRANK ZAPPA
("Man kann sich im Leben nur auf die Tritte verlassen - alles andere ist ein
Bonus!")
(Quelle:
http://www.christiankessler.de/zappa.htm)
Mein absoluter Lieblingskünstler aller Zeiten ist natürlich - wie abgedroschen
es auch klingen mag - Frank Zappa. Diesen Mann verehrt ja fast jeder, und da ich
für mein Leben gerne offene Türen einrenne, will ich meine Kette von Huldigungen
mit diesem Titanen des Musikgeschäfts anfangen, der es wie kein zweiter
verstanden hat, zu beweisen, daß subversiver Humor sehr viel mehr mit den
unschuldigen Gemütern anzurichten vermag als zentnerweise Blümchen, die in die
Läufchen von Gewehrchen gesteckt werden, deren Träger die intendierte Botschaft
eh nicht verstehen. War die gewaltlose Tugendhaftigkeit der Hippies häufig
letzten Endes nicht mehr als eine fromme Geste, die dem eigenen Seelenfrieden
mehr zu Nutzen war als der Erschaffung einer schönen neuen Welt (im Drogenrausch
stecke ich Blümchen noch GANZ WOANDERS HIN), so zeigte sich in der Arbeit von
Mr. Zappa eine Kampfbereitschaft, die nicht willens war, sich mit der
allgegenwärtigen Drögheit abzugeben, sondern entschlossen war, kompromißlos ihre
eigene Welt zu formen und die Dumpfbacken mit einem beherzten Tritt zumindest
eine Handbreit weiter in Richtung Homo Sapiens zu befördern... Daß dieser Tritt
nicht selten die hinteren Partien des Körpers traf, erzürnte so manchen,
verletzte aber wohl nur im Gemüt. Die Narben am Po heilen rasch, und der
Lerneffekt ist nicht von der Hand zu weisen!
Ursprünglich stammte der große Mann aus Baltimore, Maryland, dessen engstirnige
Provinzialität schon ganz anderen Künstlern Inspiration für ihre Arbeiten war,
John Waters zum Beispiel. Da seine Eltern berufsbedingt gen Westen zogen, war es
aber in Kalifornien, wo seine ersten musikalischen Gehversuche stattfanden. So
tourte er eine Zeit lang als Barmusiker herum. Mit gerade 20 Jahren schrieb er
die Musik zu einem B-Film, "The World´s Greatest Sinner", die eine der frühesten
Vinylproben von Zappas keimendem Talent darstellt. 1964 gründete er mit einigen
Gleichgesinnten die "Mothers", die sich später in die legendären "Mothers of
Invention" verwandeln sollten. In der liebevollen Umarmung der
hollywoodianischen Gegenkultur entstand so das erste Album, "Freak Out" (1965),
das nicht nur ein Statement zur Freakszene der Westküste darstellte, sondern
auch eines der ersten Konzeptalben der Rockgeschichte. Auf ihm befinden sich
zahlreiche lustvolle Übungen in zeitgenössischem Teenagerschmalz wie auch
Freiform-Freakouts, deren Struktur einzig der Laune des Augenblicks unterworfen
war und somit die spätere Neigung Zappas vorwegnahm, Improvisationen seiner
Musiker in einen strikten kompositorischen Rahmen einzubinden. So sticht das
großartige "Help, I´m a Rock" heraus (das von Begleitfreak Ed Seeman zu einem
tollen experimentellen Kurzfilm verarbeitet wurde) sowie "Return of the Son of
Monster Magnet", in dem sich zeigt, was einige Freaks so alles anstellen, wenn
ihnen in einem Plattenstudio freie Hand gelassen wird... Dieses 12-minütige
Chaos ist sicherlich ein "famous first" und zeigt auch Zappas Vision einer
absurden Welt, in der sich die Formen, die ihre Bedeutung verloren haben,
verselbstständigen. (Ein gräßlicher Satz, aber das Stück macht einen
Riesenspaß!) Die Doppel-LP wirkt wie eine nicht auf Harmonie bedachte
Aneinanderreihung von amerikanischen Nichtigkeiten, die mit einer
Slapstick-Kanone in tausend Teile zerblasen wird!
Diese Absicht wird auf "Absolutely Free" in wesentlich kontrollierterer Form
dargereicht. Die fast schon kabarettistische Gestaltung der Platte hatte ihr
Gegenstück in den "Pigs and Repugnant"-Bühnenacts der Mothers, bei denen die
laufende Vorführung schon mal unterbrochen wurde von Leuten, die als GIs
verkleidet auf die Bühne stürmten und unter lautem Gegrunze eine Babypuppe
zerrissen... Klassiker, die man auf diesem tollen Album findet, sind das
berühmte "Plastic People", das in sehr artikulierter Form aus Chuck Berrys nicht
eben vielsagendem "Louie Louie" einen Ausblick auf ein Amerika macht, in dem (um
mit Vonnegut zu sprechen) das Mitgefühl so tot ist wie ein Sargnagel. Wie das
Cover unterstreicht, steht in der modernen Welt alles zum Verkauf, und wer
freundlich lächelt und den Traum am geschicktesten verkauft, erhält den
Zuschlag. Seite 1 wird weitgehend beherrscht von "The Duke of Prunes", in dem
der Pflaumenfürst von wildesten Jazzrockimprovisationen umkränzt wird, bis man
vor Wonne kaum noch weiter weiß! Dabei sind einzelne Segmente mit für Zappa
typischen farbenfrohen Titeln gekennzeichnet wie "Anrufung und Ritualtanz des
jungen Kürbisses"... Das beste Stück von Seite 2 ist sicherlich "Brown Shoes
Don´t Make It", das Jello Biafra um 20 Jahre vorwegnimmt und von sexuell
gehemmten fetten Ratsherren berichtet, die ihre Arbeit benutzen, um ihre Lust
nach minderjährigen Mädchen zu übertünchen. Auf der CD gibt´s noch eine Single
von damals, die die später zu Ruhm & Ehren gelangte "Big Leg Emma" besingt. Die
LP endet mit "America Drinks and Goes Home", was nicht zuletzt die Zuhörerschaft
gehörig ungehörig veralbert...
Für mich das erste Meisterwerk ist die 1967 entstandene "We´re Only In It For
The Money", dessen Cover das "Sgt. Pepper´s"-Cover der Beatles veralbert, was
Mr. McCartney angeblich nicht amüsant fand, von einer Klage aber absah... Von
merkwürdigen verhallten Wisperpassagen verbunden, entfaltet sich ein überaus
vielfältiges Sortiment von Songs, das nicht nur Bezug nimmt zur verhaßten
Spießerwirklichkeit, sondern auch zur damals grassierenden "Flower
Power"-Bewegung, deren drogenverhangene Selbstbezogenheit in dem Stück "Absolutely
Free" vergackeiert wird, unterbrochen z.B. von Einwürfen von Groupies. ("I don´t
do publicity balling any more...") Sehr deutlich wird die Wichtigkeit, die
Sexualität für Zappas Bild von der Welt hat, in dem mehr als nur ein wenig des
damals modischen Wilhelm Reich sichtbar wird. Die Unfreiheit der Welt ist bei
Zappa das Resultat einer prüden und verlogenen Erziehung, die in mühsam
unterdrückten Aggressionen und Rachegelüsten resultiert.("What´s the Ugliest
Part of your Body"? Na, das Hirn...) Daß man Feinde, die so arme Schweine sind,
nicht mal richtig hassen kann, ist klar, und so überzieht sie Zappa mit
unglaublich beißendem Spott, der weit über die "Polizei SA-SS"-Beschränktheit
damaliger und heutiger Nulpen hinausgeht. Wer begreift, wie groß die
Selbstverleugnung sein muß, die manche Menschen der Bos- und Blödheit in die
Arme führt, braucht keine Gewalt! (Die Menschen bestrafen sich selbst schon nach
besten Kräften...) Ein wildes Kaleidoskop - ein häufig mißbrauchtes Wort, aber
hier trifft es endlich mal zu!
"Lumpy Gravy" (1967) enthält überhaupt keine Songs und ist ein reines Gemengsel
aus Bubblegum-Rock, Schubiduh-Musik und schrägen Geräuscheffekten, auf denen
sich eine ähnliche Haßliebe zu Kitsch widerspiegelt wie in John Zorns
Collagearbeiten, die ja auch zu schönen Übungen wie "Tex Avery Directed by the
Marquis de Sade" führte...
"Ruben and the Jets" (1967) geht dann wirklich den harten Weg und besteht
ausschließlich aus soliden Rock´n´Roll-Schmachtfetzen - endlich mal ein
kommerzielles Album! :D
Die Doppel-LP "Uncle Meat" basiert auf einem intendierten Film gleichen Titels,
der aber erst lange danach einigermaßen fertiggestellt werden konnte (und
teilweise von meinem Freund Ed Seeman gefilmt wurde). Mit der alten Besetzung
und dem neu hinzugekommenen Saxophonisten Ian Underwood erstellt, ist das
Ergebnis erneut eine ironische Reise durch die Welt, gesehen mit den Augen eines
Juvenile Delinquents mit einem Zuviel an Fantasie... Die CD wird ergänzt durch
Auszüge aus dem Filmmaterial, darunter auch die Begegnung mit einem freundlichen
Italiener, der das nette "Tengo una minchia tanta" (Ich habe einen dicken
Schwanz!) beisteuert...
Die nächste Haltestelle ist das nächste Meisterwerk: "Hot Rats" ist ein sehr
geschlossen wirkendes Jazzrockalbum (fast nur aus Instrumentals bestehend), bei
dem Zappa sich von dem Großteil seiner alten Band getrennt hatte. Nur Ian
Underwood war geblieben, dessen Saxophon auch gelegentlich Gebrauch vom
Wah-Wah-Pedal macht und somit beizeiten von einer Gitarre kaum zu unterscheiden
ist... Toller Gaststar auf dem Titelstück ist der ehrenwerte Freak Captain
Beefheart, dessen meisterhaftes Album "Trout Mask Replica" von Zappa produziert
wurde. (Wie übrigens auch ein legendäres Album des Stand-Up-Komikers Lenny
Bruce!) Weitere Gastmusiker sind die Violinisten Jean-Luc Ponty und Sugar Cane
Harris, die einiges mit ihren Instrumenten anzustellen wissen. Mein
Lieblingsstück ist das hinterhältige "It Must Be a Camel", das auf der CD noch
mit zusätzlichen Spezereien versehen ist. Auch ist auf dem digitalen Tonträger "The
Gumbo Variations" noch um etwa 5 Minuten Zusatzmaterial von den Sessions ergänzt
worden, aber der Sound ist auf Vinyl eindeutig besser...
Bevor die ursprünglichen Mothers sich auflösten, gab es noch eine Menge
aufgenommenes Material, das auf zwei LPs teilweise verwertet wurde. Die erste
ist "Burnt Weeny Sandwich", deren zwote Seite von dem symphonisch konstruierten
"Little House I Used To Live In" dominiert wird, das auf der "Hunchback Suite"
der Mothers basiert und von einer Partie beendet wird, bei der auf einem Konzert
verschiedene politische Aktivisten versuchen, das Konzert zu sabotieren, was von
Zappa mit einem lässigen "You´ll hurt your throat, stop it!" quittiert wird...
Ansonsten gibt es bei dem Titelstück eines von Zappas lässigsten Gitarrensoli zu
bewundern, bei der gewahwaht wird, bis der Arzt kommt!
Wesentlich schräger ist da "Weasels Ripped My Flesh" (1971), auf der Roy
Estradas hysterisches Kreischlachen zu voller Wirkung gebracht wird in dem
sinnreich betitelten "Prelude to the Afternoon of a Sexually Aroused Gas Mask",
von dem Debussy bestimmt nicht zu träumen gewagt hat... Es gibt mit "Directly
From My Heart to You" ein traumhaftes Sugar-Cane-Harris-Stück, und das "Eric
Dolphy Memorial Barbecue" wird auf einigen Inseln in der Südsee noch immer als
Gottgeschenk vereehrt. Mit "My Guitar Wants To Kill Your Mama" ist ein richtiger
(studioproduzierter) Ohrwurm enthalten, während "Dwarf Nebula" die bizarreren
unter den Zuhörern bedient. Das abschließende Titelstück ist ein 2-minütiges
Draufhalten aller Musiker, was in einem einzigen lauten Ton resultiert, nach dem
sich Zappa lapidar vom Publikum verabschiedet.
"Chunga´s Revenge" und das "Fillmore East June" überspringe ich jetzt mal,
obwohl da die beiden großartigen Komiker Flo & Eddie (Mark Volman und Howard
Kaylan) einige Gelegenheit haben, sich auszuzeichnen. Vollkommene
Sonnenfinsternis wird nämlich wieder erreicht von "200 Motels" (1971), dem
Soundtrack zu dem gleichnamigen Film, der den Wahnsinn des Tourens in
unnachahmlicher Weise einfing und die Ästhetik von Rockvideos nachhaltig
beeinflußte. Die surreale Bilderwelt des Films wird von der Doppel-LP bestens
eingefangen, sollte aber auch visuell nachempfunden werden. Wer Drummer Jimmy
Carl Blacks Darstellung als "Lonesome Cowboy Burt" nicht gesehen hat, hat
umsonst gelebt! Zappa erlebte die CD-Präsentation des Werkes leider nicht mehr,
aber sie ist jetzt in vorbildlicher Weise erfolgt und enthält viele
Zusatzinformationen. In Filmnachschlagewerken wird der Film gerne als "Bomb"
(=Niete) gelistet, was aber daran liegt, daß der Film meistens im Kontext mit
herkömmlichen Musicals und Rockopern (schudder!) gesehen wurde, und während ich
Sachen wie Ken Russells "Tommy"-Verfilmung als filmisches Statement mal gerade
so stehenlasse (oder greifen wir mal ganz nach unten: Norman Jewisons "Jesus
Christ Superstar"!), so ist "200 Motels" doch die erste filmische Artikulierung
von Rock-Philosophie jenseits des Underground-Kinos, und es dauerte bis zu "The
Great Rock´n´Roll Swindle", bis etwas ähnlich Geistreiches geboren wurde...
Ringo Starr spielt in dem Film Larry den Zwerg, und Zappa fungiert lediglich als
eine Art gottähnlicher Konzeptgeber, als der er sich schon in "We´re Only In It
For The Money" ankündigte.
Hier ist einzufügen, daß Zappa in Hinblick auf die von ihm verwendeten Musiker
gerne als Arbeitgeber nach kapitalistischem Vorbild auftrat: Er bezahlte die
Musiker häufig mit jährlichem Salär; dafür hatten sie auch ganz genau das zu
spielen, was er ihnen vorgab und wie, ansonsten es Schellen setzte! Wenn Drogen
die Arbeitsfähigkeit eines Musikers einschränkte, so landete der unweigerlich
auf der Straße. Diese Haltung ist nicht sehr sympathisch, aber verständlich, und
führte dazu, dass wirklich nur die Crème der Musiker bei ihm Anstellung fanden.
Bei Zappa gespielt zu haben, war eine Ehre. Dass ihm dabei der spontane
Charakter der frühen Werke etwas abhanden kam, mag verdrießen, wen es will, aber
der Ausstoß des Zappa´schen Schaffens enthält so gut wie keine qualitativen
Aussetzer, und im Rockgeschäft will das bekanntlich einiges heißen...
Die nächste Phase begann mit "Waka/Jawaka" (1972) und "The Grand Wazoo", die zu
den einflussreichsten Jazzrockalben überhaupt zählen und überwiegend
instrumentale Extravaganzen aufführen, deren Soli mit Worten nicht zu
beschreiben sind. "Overnite Sensation" (1973) hatte dann einen sehr viel
rockigeren Ansatz und fügte dem Kanon der Zappa-Musiker vor allen Dingen den
Jazzpianisten George Duke hinzu, der den Humor von Zappa in großartiger Weise
mit seinen Fingerübungen untermalte. Das bekannteste Stück (schon aufgrund
seines sexuell expliziten Gehaltes!) war "Dinah-Moe-Humm", das wie eine
vor-pornöse Doppelwatsche ins Gesicht prüder Zuhörer wirken mußte. Nicht
Romantik wird hier demonstriert, sondern die Realität geschlechtlichen
Säfteaustausches, was auch in Hippie-Sympathisanten arge Zweifel genährt haben
muss... (Ich möchte Hippies hier übrigens nicht heruntermachen - wenn sie Humor
hatten, waren sie kolossal sympathisch!) In dem hitparadenverdächtigen Song "Camarillo
Brillo" geht es um Schleifen, Bänder, Drogen und Ponchos und was sie vor dem
Schauspiel zwischengeschlechtlicher Interaktionen so bedeuten mögen. "Dirty
Love" führt Frenchy den Pudel im besten Sinne des Wortes ein. "I´m the Slime"
ist noch so ein Klassiker und erzählt von Schleimabsonderungen im Fernsehumfeld.
"Fifty-Fifty" enthält großartige Soli von Ricky Lancelotti, der sich später
leider zu Tode gedrogt hat (mann, seid vorsichtig!), und auf "Montana" reitet
der neo-amerikanische Pionier in den Sonnenuntergang und handelt mit
Zahnseide... Wat´n Album!
Die erste Seite von "Apostrophe" (1974) besteht fast zur Gänze aus "Don´t Eat
The Yellow Snow" und erzählt von den Verheerungen, die Hundepisse in den Augen
gestrauchelter Eskimos anrichten kann, besonders wenn sie sich mit
verbrecherischen Robbenschlächtern anlegen! Erlebt bitte (und das recht bald)
die Superleistungen von St. Alphonzo, die Zappas Musiker zu unglaublichen
Höchstleistungen antreiben... Noch ein tolles Album, das früher zusammen mit "Overnite
Sensation" auf einer CD erschienen ist, nach der sich die Eskimos Neufundlands
noch heute die eisverkrusteten Finger lecken! "Stink Foot" ist das ultimative
Statement zu Füßen, die monatelang in Turnschuhen eingekeilt gewesen sind, was
immer das aussagt.
Im selben Jahr wurde auch "Roxy & Elsewhere" geboren, das beste Zappa-Livealbum,
das meines Erachtens auch mit der besten Besetzung entstand. Neben dem schon
verewigten George Duke gehörten dazu vor allem der Saxophonist und Sänger
Napoleon Murphy Brock, die Percussionistin Ruth Underwood (=die Frouwe von Ian),
Schlagzeuger Chester Thompson und die beiden Fowler-Brüder an Posaune respektive
Bass. Von namenlosen Ansagen gesäumt kommen da Songs wie "Penguin in Bondage"
(das einzige Rockstück mit sadomasochistischem Pinguinbezug!), "Cheepnis" (das
von billigen Science-Fiction-Filmen handelt) und "Pygmy Twylyte", bei dem der
Napoleon richtig abjodelt. Auch "Echidna´s Arf (Of You)" ist ein Instrumental,
das einfach genossen werden will... Für Filmfans: Bei "Cheepnis" erzählt Frank
einiges über den schönen Roger-Corman-Cheapie "It Conquered the World"!
Erhaben...
Mein persönliches Lieblingserzeugnis aus dem Hause Z. ist "One Size Fits All"
(1975), auf dem die Brock-Duke-Thompson-Besetzung zu Hochform aufläuft. Während
auf "Inca Roads" (mit endlosen Soli, die die Seele streicheln) die
Außerirdischen landen, handelt "Can´t Afford No Shoes" von der katastrophalen
Sozialpolitik des Heimatlandes, während auf "San Ber´dino" und "Andy" auch
Legende Johnny Guitar Watson kurz vorbeischaut und Seligkeit verträufelt. Und
wer müßte noch etwas zu "Sofa" sagen, das sich endlich auch mal der deutschen
Sprache widmet, meine Dame und Herren? Ein Saxophon, so weich wie Streichkäse...
Über lange Jahre hatte sich Zappa ja fürchterlich mit Captain Beefheart
verkracht. Rechtzeitig zur 200-Jahres-Feier der USA fanden die beiden aber für
ein Album wieder zusammen, "Bongo Fury", und hier ist der Bär so am Steppen, daß
der Honig in Strömen fließt! Beefhearts Vocals krächzen sich über eine
krummjazzige Tonlandschaft und streifen in ihren surrealen Texten Charles
Dickens ebenso wie Verkaufsgenie P.T. Barnum ("There´s a fool born every minute!").
Das erzeugte Gesamtbild läßt keinen Zweifel daran, daß der berühmte Pioniergeist
ein Mythos ist, der letztlich darauf basiert, den größeren Idioten zu finden,
dem man seine Mogelpackung andrehen kann... Zappas "Carolina Hardcore Ecstasy"
handelt von zutiefst widernatürlichen Gelüsten, während Napi Brock ein sehr
bluesiges "Advance Romance" in das Mikro nölt. Den Abschluß bildet das mit einer
bizarren Story ausgestattete "Muffin Man", das eines von Zappas größten
Gitarrensoli enthält.
"Zoot Allures" (1976) markiert dann eine neue Bandkonstellation: Hier kam
Schlagzeuger Terry Bozzio dazu, der in Franks Werken bis etwa 1980 dabei sein
sollte. Das ansonsten nicht weiter bemerkenswerte Album enthält immerhin das
quälende "The Torture Never Stops", das von einem sadistischen Prinzen handelt
und mit Stöhnern und Schluchzern von Terrys Ehefrau unterlegt ist... Ein Song
über eine belastungsfähige Gummipuppe ("Miss Pinky") findet sich darauf ebenso
wie das großartige "Disco Boy", in dem es um oberflächenbewußte Discoschnösel
geht, die sich auf dem Abort einen von der Palme wedeln und keinen Stich landen,
so sehr sie es auch versuchen... Das Titelstück enthält geschmolzene
Gitarrenklänge von Maestro Zappa.
Und da sind wir auch schon bei "Live in New York", dem großen Doppelalbum, das "Titties´n´Beer"
enthält - nicht nur einer von Zappas erfolgreichsten Livestandards, sondern auch
ein großes Vergnügen, da Terry Bozzio sich hier die Gummimütze aufsetzt und den
Teufel markiert, der Zappa in den Orkus locken will, aber keinen Erfolg hat, da
der Motherfucker acht lange Jahre bei Warners unter Vertrag stand und schon ganz
andere Wixer bekämpft hat... Dieses Zauberwerk enthält Stücke, die mich in
jungen Jahren nachhaltig verstört haben und zu denen ich noch immer swinge. Zu
den esoterischen Höhepunkten der Platte gehört "The Illinois Enema Bandit", das
auf den authentischen Klistierexzessen eines bösen Verbrechers beruht, dem
wahrlich der Prozeß gemacht gehört wie in diesem Stück... Das "Black
Page"-Schlagzeugsolo, das zu einem veritablen Discobrummer umgewandelt wird, ist
ebenso preisverdächtig wie das ellenlange "The Purple Lagoon", in dem Soli
vorkommen, die so tuberkulös klingen, daß man nie wieder gesund werden möchte...
(Von letzterem Stück besitze ich eine Aufnahme aus der "Saturday Night
Live"-Comedysendung, wo die Band unter Vorsitz von Samurai John Belushi agiert!)
Hier lohnt sich endlich einmal die Anschaffung der Doppel-CD, weil sie endloses
Zusatzmaterial enthält - auch "Titties´n´Beer" ist länger. Auch enthalten ist "Punky´s
Whips", eine Liebeserklärung von seiten Terry Bozzios an den Sänger der
Glam-Pop-Combo Angel, die man möglicherweise noch von alten K-Tel- oder
Arcade-Samplern kennen mag, die sonst nur noch auf dem Soundtrack zu Zappas Film
"Baby Snakes" enthalten ist. Jener Film enthält übrigens
Stopmotion-Knetgummi-Animationen des Künstlers Cal Schenkel, für die es im
Diesseits keinen Namen gibt.
Dann kommen wieder einige Alben, die mit Randmaterial aus der Mittsiebzigerphase
Zappas angefüllt sind, mit lauter wechselnden Musikern. "Studio Tan" (1978)
enthält "Greggary Peccary", eine musikalische Peter-und-der-Wolf-Erzählung, die
eine Fortsetzung zum 8 Jahre älteren "Billy the Mountain" von "Just Another Band
from L.A." darstellt. Neben zwei E-Musik-angehauchten Tracks gibt es noch das
vergnüglich bubblegummige "Lemme Take You To The Beach".
"Orchestral Favorites" enthält Versionen von verschiedenen Zappa-Werken, die für
ein Low-Budget-Orchester arrangiert wurden. (Später wurden einige Werke auch für
das London Symphony Orchestra unter Leitung von Kent Nagano eingerichtet!)
Darunter stechen die beiden Stücke aus "200 Motels" heraus, das ironisch
feierliche "Strictly Genteel" und das nicht minder lustige "Bogus Pomp", das
zahlreiche Anleihen beim Zeichentrick und bei konventioneller Hollywoodmusik
aufweist. Auch der Pflaumenfürst von "Absolutely Free" erfährt eine Adelung.
Wesentlich besser ist aber die großartige "Sleep Dirt" (1979), die auf dem
tollen gezeichneten Cover lebendig gewordenen (und bei Gott grimmigen!)
Schlafschmutz zeigt... Hier mischen sich bereits Mitglieder der alten
Bandbesetzung mit neuen Musikern, u.a. Bassist Patrick O´Hearn, der auf einigen
furiosen Zappas mitspielen sollte, bevor ihn dann die Meditationsmafia einholte.
Eine richtig tolle Platte, deren Instrumentals bei der CD-Veröffentlichung
zumindest teilweise mit dem schwarzen Gesang von Thana Harris unterlegt worden
sind. Der ist auch sehr geil, aber hier lohnt sich die Anschaffung von Original
und Variation, zwecks Vergleich. Der schamlos pompöse "Regyptian Strut" ist ein
Klötenknaller, wie auch "Flambay" zu begeistern weiß. Nach einem Duett mit
Gitarrist James Youman setzt es das gnadenvoll lange "The Ocean is the Ultimate
Solution", nach dem niemandem mehr was einfällt...
Das Glanzstück der Bozzio/O´Hearn-Besetzung ist zweifellos "Sheik Yerbouti"
(1979), und hier muss ich wieder etwas weiter ausholen. Als ich etwa 13 Lenze
zählte, hörte ich "Bobby Brown" zum ersten Mal. Ich stand damals noch auf
harmonische Radioware. Ich verliebte mich in den Song und übersetzte ihn mit
Hilfe eines sehr freizügigen Wörterbuchs mühelos. Dass es dieses Lied, das von
einem sexuell total verkorksten Glattgesicht handelt, in die Top Ten der Charts
schaffte, verblüffte mich schon damals maßlos. Ich kaufte mir das Doppelalbum,
und während mir die meisten Songs sehr schräg erschienen, beeindruckten sie mich
nachhaltig. Jahre später kramte ich das verruchte Werk wieder hervor und
erarbeitete mir meinen Weg in den Zappa-Olymp! Neben einem
Peter-Frampton-Attentat ("I Have Been In You") und einer spät-hippiesken
Bob-Dylan-Parodie ("Flakes", das eigentlich von amerikanischen Handwerkern
handelt und auch von spießigen Mittelständlern stammen könnte) gibt es den
Discohit "Dancing Fool" und das politisch denkbar unkorrekte "Jewish Princess",
in dessen Werteheddern sich auch viele Spätguthippies (nette Differenzierung,
was?) verfangen haben mögen. (So erfährt man, daß man zur Humorfraktion
gehört...) "Broken Hearts Are For Assholes" beschreibt das Gefangensein in der
latenten Homosexualität (für alle die, die solche Unterscheidungen brauchen),
während Terry Bozzio in "I´m so Cute" die Befindlichkeit von unheilbar gesunden
Neumenschen beschreit, von denen Kalifornien nur so wimmelt. Für die etwas
extremeren Fans gibt es dann einige Stücke, wo Soli über bestehendes Material
gelegt worden ist (auch gerne in abweichendem Takt!), und der ganze Reigen wird
dann abgeschlossen von "Yo´ Mama", das sich zu einem tränentreibendem
Gitarrensolo entwickelt...
"Joe´s Garage" (1979) ist dann eine Rock-Fastoper, der flugs ein zweiter und
dritter Teil angehängt wurde, auch wenn der erste eindeutig der beste ist.
Erzählt wird von dem autobiographisch gefärbten Joe, der mit seinen Boys in
einer Garage Bandmucke macht, die ihnen bescheidenen Erfolg beschert. Er kommt
dann bei seiner lebensanschaulichen Erforschungsfahrt in den Knast, aus dem er
aber (trotz homosexueller Exzesse) als geläuterter Gutmensch wieder hervorgeht,
der sich der herrschenden Langeweile trefflich angepaßt hat. Zu den Klassikern
von Teil 1 gehört "Catholic Girls", in dem die Vorzüge frommer JungInnen
treffend herausgearbeitet werden, "Crew Slut", in dem es über die Aufregungen
des Groupiealltages geht ("It looks just like a Telefunken U-47...") und "Why
Does It Hurt When I Pee?", in dem die neugewonnene sexuelle Unabhängigkeit
sozialkritisch hinterfragt wird. In Teil 2 promeniert "Stick It Out", das sich
erneut der deutschen Sprache bedient ("Fick´ mich, du miserabler Hurensohn...").
"Dong Work for Yuda" handelt dann von den Knastspäßen, die in "Keep It Greasy"
ausgeführt werden. Teil 3 ist stark solobetont. Insgesamt darf auf jeden Fall
der anbetungswürdige dicke Schwarze Ike Willis (nur echt mit Wollkäppi!) als
Neuankömmling willkommen geheißen werden.
Nach dem reinen Gitarren-3-LP-Set "Shut Up´n´Play Yer Guitar" (1980) gab es dann
das tolle Doppelalbum "Tinseltown Rebellion", auf dem sich die neue Band
geschlossen live präsentierte, einschließlich des Van-Halen-Gitarreros Steve Vai,
Ray White und wen man sonst noch so liebt. Abgesehen davon, daß das
antiquarische "I Ain´t Got No Heart" wiederbelebt wird, feiert man so schöne
Schmankerln wie "Easy Meat", das genau von dem handelt, wonach es klingt... Das
Titelstück handelt von den Verirrungen, die die immer kommerzieller werdende
Musikindustrie zu der Zeit eingegangen ist. (Na ja, eigentlich war die
Musikindustrie schon immer so kommerziell, aber die medialen Möglichkeiten
wuchsen eben damals...) Auch schöne neue Versionen von "Brown Shoes Don´t Make
It" und "Peaches en Regalia" (von "Hot Rats") werden lautbar, gesäumt von
diversen spaßigen Sprachimprovisationen...
Noch besser war "You Are What You Is", einem Liederreigen, der sehr an alte
Zeiten erinnert, die aber für die aufkeimende MTV-Generation geupdatet worden
sind. "Lonesome Cowboy" Jimmy Carl Black schaut mal wieder vorbei bei "Harder
Than Your Husband", während Stücke wie "Goblin Girl" und vor allem "Conehead"
schon Anleihen nehmen bei den MTV-veredelten ( bzw. -verekelten) "Saturday Night
Live"-Kostbarkeiten à la "Coneheads". Vieles handelt von dem Schlick, in den
dich Drogen ratzfatz befördern können, und zwar nicht in heuchlerischem "Keine
Macht den Drogen"-Slang, sondern sehr praktisch - wenn die Mistdinger dein Leben
kontrollieren, kannst du deine Ambitionen auf Pfeife rauchen! (Drogen - jeder,
der möchte! Aber wenn er anfängt, scheiße zu sein - auf Wiedersehen! Sehr viel
komplizierter läuft das Leben nicht...Und das ist okay!) Die Platte handelt
ansonsten von schönen Menschen, deren Reichheit nicht darüber hinwegtäuscht, daß
sie nur graue Grütze im Klöben haben, und von Fernsehpredigern, die mit der
Bereitschaft des Menschen zum Gutglauben herzhaften Schindluder treiben. (Schön
blöd, wer sich von solchen Bauernfängern plattmachen läßt!)
Einer meiner persönlichen Favoriten ist die covermäßig verdrudelte "Ship
Arriving Too Late To Save a Drowning Witch" (1982), die von höchst kommerziellen
Stücken zu abgrundtiefer Obskurität reicht. Der erste Track handelt von den
Vergnügungen einsamer Lastwagenfahrer, während Stück 2, "Valley Girl", von einer
westküstenspezifischen Gattung Jungmädchen handelt, die einen ähnlichen Unsinn
quasselt wie Kelly Bundy, nur halt reich! (Das hat mir ein Kalifornier mal
gestenreich auseinandergesetzt.) Als "Val" brilliert hier Zappas reizende
Tochter Moon, die mit ihrem Papa auf dem Singlecover in trauter Eintracht
posiert. Auf dem ultraschrägen "I Come From Nowhere" besingt Oldie Roy Estrada
die "Nowhere People", die halt immer grinsen, selbst wenn man ihnen mit einem
Hammer auf den Zeh haut. "Drowning Witch" ist ein kleines Meisterstück, das kaum
zu spielende Passagen enthält und schließlich in dem operesken "Teenage
Prostitute" endet... Suuuuper!
"The Man From Utopia" (1983) ist eine sehr glatt klingende, aber mit zahlreichen
Untiefen versehene Platte, deren anfänglicher Haßgesang gegen kokainschnupfende
Deppen, die unser Leben bestimmen (hallo, Hollywood!), abgelöst wird von Sachen
wie der 50s-Science-Fiction-Hommage "The Radio Is Broken", wo u.a. der Film
"World Without End" zitiert wird... Absolute Kitschlieder wechseln sich ab mit
Jazzstücken, in denen Zappa zu eigener Sologitarre rappt, wobei die Gitarre
haargenau seine Tonlage trifft...
Nach einer Zusammenarbeit mit dem Opernstürmer Pierre Boulez (der verschiedene
seiner Werke orchestral bearbeitete) kam "Them Or Us" (1984), in dem Zappa noch
mal einige Puschen auspackt, darunter Satz 2 seines Werkes "Sinister Footwear".
"Truck Driver Divorce" säuselt steelgitarrig vom gestörten Liebesleben rühriger
Trucker, während "Stevie´s Spanking" das nicht minder gestörte Sexleben des
blauhaarigen Gitarristen Vai beleuchtet. (Gesungen vom großartigen Bobby
Martin!) Eindeutig MTV-geprägt ist "Be in my Video", während mit "Whipping Post"
ein herzzerreißendes Allman-Brothers-Cover vorliegt. Dazwischen gibt es
abwechselnd viel Gepfriemel und viel Geschmachte, das auch das schöne "Baby Take
Your Teeth Out" enthält, wo Ike Willis seine Vorliebe für die reiferen Jahrgänge
besingt... Ach, und Johnny Guitar Watson schaut auch noch mal vorbei und warnt
vor einem Urlaub "In France"!
Danach (nach der 84er Tour) wurde es weitgehend still um Zappa. 1986 kam noch
"Zappa meets The Mothers of Prevention" heraus, sein persönlicher Kommentar zu
den Vorgängen um die heutige Fast-First-Lady Tipper Gore (na toll, dafür haben
wir Marilyn Quayle!), die einstmals zum Sturm auf die Porno-Rock-Bastion blies,
wie dies Monica Lewinsky nicht in hundert Jahren vermocht hätte! Bei den
damaligen Senatsanhörungen wurde auch Zappa als Kronzeuge geladen, der den
Geschworenen einiges erzählte, was auch auf dieser Platte zu hören ist... Auf
der amerikanischen Version gibt es das lange Stück "Porn Wars", auf dem der
Fast-Präsi Al Gore zu hören ist, wie er sich in extrem schleimiger Weise als
Zappa-Fan zu erkennen gibt. Äußerungen von seiner Gattin sind gemütvoll
eingemischt und samplemäßig integriert in den Synthieteppich des Stücks, der
keinen Zweifel an den Absichten Zappas läßt! (Auf der europäischen Version der
Platte gibt es leider keine politischen Einsprengsel...) Ansonsten gibt es
hauptsächlich Synklavier-Töne zu hören, wie man sie von der folgenden "Jazz from
Hell" kennt und wie sie zahlreiche alte Zappa-Fans etwas verschreckt haben.
Meine persönliche Meinung: Auch wenn der alte Perfektionist sicherlich nicht
unrecht hat damit, daß einige Partien einfach nicht von menschlichen Musikern zu
spielen seien, so machen die Stücke einfach nicht soviel Spaß wie die älteren
Sachen - Ende der Diskussion!
Und 1989 war dann noch einmal ein Zuckerjahr: Mit "Broadway the Hard Way" kehrte
Zappa zu seiner "Absolutely Free"-Schiene zurück und präsentierte
Politik-Kabarett eingepackt in Musik vom Feinsten, untermalt von einer
Big-Band-Besetzung, die vielen Hören & Sehen verblies! Ich finde, daß die LP ein
würdiges Abschiedsalbum ist und die mittlerweile ja schon wieder damalige
Politszene mit großartigem Spott versah. Nach dem anmutig kitschigen "Elvis Has
Just Left The Building" bekommt der moderne Typus der Karrierefrau (okay, nicht
sexistisch sein: ebenso wie der des Karrieremannes!) in "Planet of the Baritone
Women" sein Fett weg, wie auch das ursprünglich für Nixon gedachte "Dickie´s
Such An Asshole" auf moderne republikanische Verhältnisse umgedichtet wird. Auch
Demokraten erleben schweren Seegang: Jesse Jackson ist das Thema von "Rhymin´
Man", und bei "Promiscuous" rappt sich Ike Willis in den Aids-Diskurs, daß es
nur so raucht in der guten Spalte. "Jesus Thinks You´re a Jerk" ist dann für
mich das endgültige Wort zum Thema Fernsehprediger und bläst Pat Robertson,
Jimmy Swaggart und den anderen Seelenhändlern den Marsch zum Jüngsten Gericht.
Die CD-Bonus-Trax sind reichhaltig bemessen und enthalten ein zusammen mit Sting
gespieltes Lied (!) ebenso wie das Jimmy-Swaggart-Gedächtnis-Stück "What Kind of
Girl"...
So, und obwohl ich jetzt nicht auch all die Bootlegs und Sampler aufzählen
möchte, will ich doch noch auf einige unbedingte Glanzleistungen hinweisen!
Leistung Eins ist die Reihe "You Can´t Do That On Stage Anymore", die auf 6
farbenfrohen Doppel-CDs Reisen durch alle Phasen des Zappa-Oeuvres offeriert. Am
besten ist Teil 1, dessen Höhepunkt eine 20-minütige Durchführung von "Don´t Eat
the Yellow Snow" ist, die von Zappa immer mal unterbrochen wird, um "audience
participation" zu gewährleisten. In einem Fall sieht das so aus, dass ein
vollkommen bedrogter Zeitgenosse auf die Bühne kommt, der unbedingt ein Gedicht
aufsagen möchte. "More poetry, please!" fordert Zappa sofort, aber als das
Publikum der Aufforderung nicht nachkommt, muß dann doch der Dichter auf die
Bühne gebeten werden, der ein Gedicht zitiert, bei dem sich die Balken biegen:
Da ist von einem Garten die Rede, der mit Tränen gewässert wird. "Oh, you mean
Kindergarten?" meint einer der Musiker von der Seite... Auch schön der Bericht
Zappas von dem Typen der bei allen Konzerten erscheint und immer aus der Masse
heraus meint: "Fig´ me out, Frank, fig´ me out!" Der Tourmanager wird intensiv
gedemütigt, als es darum geht, einen Rock´n´Roll-Klassiker zu spielen, der als "Ruthie
Ruthie" herauskommt und von der Vorliebe besagten Managers für die
Leibesöffnungen wollüstiger Hündinnen handelt... Die "Mommy Anthem" von Zappas
Musical "Thingfish" ist enthalten, die in Palermo entstand, wo kurz danach die
Polizei einen Aufruhr mit Tränengasgranaten niederschlug. (Nachzuhören in Vol.
3!) Ein Set wird angekündigt mit einer Auflistung der nicht minder tränen
treibenden Gebrechen, an denen die Band leidet. Und auch ansonsten ist viel los
in Chez Zappa...
Auf Vol. 2 dieser Serie befindet sich das gesamte Helsinki-Konzert der
Traumbesetzung um Napoleon Murphy Brock & Co., und die meisten Songs werden in
zweifacher Geschwindigkeit gespielt. Wer das versäumt, ist selbst schuld!
Auch hübsch ist die Doppel-CD "The Best Band You Never Heard In Your Life", auf
der neben unglaublichen Coverversionen von "Ring of Fire", "Purple Haze" und "Stairway
to Heaven" auch zahlreiche Seitenhiebe auf Jimmy Swaggart enthalten sind, einen
säulenheiligen TV-Prediger, der einige Kollegen aufgrund von moralischen
Verfehlungen verpetzt hat und selber bei widernatürlichen Akten mit einer
Prostituierten erwischt wurde - peeeinlich! (Peinlicher noch, daß besagter
Rentenscheckkassierer im Fernsehen heulte und bereute - und jetzt
weiterkassiert!)
"Make a Jazz Noise Here" enthält schließlich einige Big-Band-Juwelen, darunter
das Stück "When Yuppies Go To Hell", in dem nicht nur demonstriert wird, wie gut
Chad Wackerman an den Syndrums ist, sondern auch, wie nett man Tipper Gore
einsampeln kann... ("Fire and Chains"!) Der Rest ist kontrapunktiert von
Leihgaben von Strawinsky und Bartok...
Neben den schon erwähnten Filmen gibt es auch noch ein schönes Live-Video mit
der Frühachtzigerbesetzung um Ike Willis, Chad Wackerman etc., das passend "Does
Humor Belong In Music?" betitelt ist und die Konzertausschnitte mit
Interviewfragmenten mit Zappa untermalt, aus denen auch das Zitat stammt, das
diesen Text begonnen hat... (Die CD gleichen Namens enthält andere Cuts von
derselben Tour, darunter auch eine Durchführung von "What´s New in Baltimore",
die Zappa mit demolierter Gitarre gespielt hat, die sich anhört, als sei sie
betrunken = ständig wegeiernd!)
Wenn man nicht an Abrahams Gott glaubt, gibt es einige Gründe, sich ersatzhalber
bei Frank Zappa umzuschauen! Der subversive Humor der Punk-Ära verbindet sich
bei ihm mit einer musikalischen Virtuosität, die von schönster Harmonie zu
braatzigster Aggressivität reicht. Ich habe die "Broadway the Hard Way"-Tour
erlebt, der Filmexperten-Achim sogar die 84er, wofür ich ihn ewig beneide...
Wenn es einen Musiker gibt, der mich auf Lebenszeit beeinflusst hat, dann ist
das Zappa. Er ist Anfang der 90er verstorben, was mich endlos betrübt hat. Aber
man kann sich noch auch seiner Website umschauen, die von seiner Frau
unterhalten wird, wo zahlreiche Infos vorhanden sind. Die wenigen Infos über
sein Leben, die ich hier eingewoben habe, stammen aus dem tollen Buch "Viva
Zappa" von dem Franzosen Dominique Chevalier, das Fans wärmstens ans Herz gelegt
sei, da mit Kenntnis geschrieben und reich bebildert.
(Quelle:
http://www.christiankessler.de/zappa.htm)
Zwischen allen
Stühlen
Den einen galt Zappa als Rock-Provokateur, den anderen als führender Komponist
des späten 20. Jahrhunderts. Die Flirts des unangepassten Musik-Pragmatikers mit
klassischen Ensembles verlief - wie zu erwarten - regelmäßig tragikomisch bis
katastrophal. Als er endlich seine wahren Interpreten fand, war Zappas irdische
Uhr abgelaufen. Doch das Ensemble Modern hält ihm die Treue - seit Juni 2000
sogar mit einem neuen Programm.
Grotesk unmodern
Über den Komponisten Frank Zappa (1940-1993)
(2002)
Mit "The Yellow Shark" präsentierte das Ensemble Modern vor zehn Jahren sein
erstes Programm mit Musik von Frank Zappa, einem Mann, dessen Reputation nicht
gerade typisch ist für einen Komponisten zeitgenössischer E-Musik. Nach rund 25
Jahren Pop-Business galt Zappa jenseits seiner Fan-Gemeinde vor allem als
Rock-Anarchist, notorischer Provokateur, Bühnen-Zampano, Polit-Rebell,
Chaos-Musiker, übler Sexist und schriller Sozialsatiriker. Die bürgerliche
Presse empfand ihn abwechselnd als Ausbund der Dekadenz oder Bedrohung der
Gesellschaft. Auch wer nichts weiter über ihn wusste, kannte zumindest jenes
Poster, das ihn nackt auf der Toilette zeigt, oder kolportierte Gerüchte, wonach
Zappa auf der Konzertbühne menschliche Exkremente gegessen oder frisch
geschlüpfte Küken totgetreten hätte. Dass er wegen Pornographie ins Gefängnis
musste, ein Archiv intimer Interviews besaß, Prozesse gegen zwei der größten
Plattenkonzerne führte und sogar die britische Krone verklagte, dass das Casino
in Montreux bei seinem Konzert in Flammen aufging und er in England von einem
eifersüchtigen Konzertbesucher von der Bühne geworfen und lebensgefährlich
verletzt wurde: All das summierte sich zu einer fast beispiellosen
Skandalchronik. Kein Wunder, dass dieser Frank Zappa, sobald er den Kontakt zu
klassischen Ensembles aufnahm, gegen allerlei Vorurteile ankämpfen musste. Für
die einen war er irgendein verrückter Pop-Heini, ein künstlerisches
Leichtgewicht, das sich großspurig ein Sinfonie-Orchester mietet. Für die
anderen war er ein Verräter seiner Sache, der sich beim Establishment anbiedert
und dafür die Provokationskraft seiner künstlerischen Überzeugungen opfert. Doch
die Wahrheit sah anders aus.
Feuerkugeln, Doo-Wop und die schlimmste Musik der Welt
Als Kind entdeckte Frank Zappa die Faszination des Chemiekastens. Mit sechs
Jahren bereits konnte er Schießpulver herstellen, er zündete
gelblich-orangefarbene Feuerkugeln und erschütterte die elterliche Wohnung mit
mancher Explosion. Die Lust am Experimentieren mit den Elementen, am Verbinden
der Stoffe und Zur-Explosion-Bringen blieb ihm erhalten, als er als Teenager die
Chemie durch die Musik ersetzte. Ob in der Umwandlung von geschriebenen Noten in
klingende Musik oder in den vielfältigen Metamorphosen seiner Kompositionen
zwischen Rockbühne und Sinfonie-Orchester: Die Alchemie der Verbindungen blieb
eine dauerhafte Faszination. Noch bevor er ein Instrument spielen konnte, begann
der junge Zappa zu komponieren, angeregt vom Anblick einer Partitur. "Sie sah
einfach so wunderbar aus. Allein die Vorstellung, dass diese grafische
Darstellung, wenn durch handwerkliche Bemühung in Klangwellen übersetzt, in
Musik resultieren sollte! Ich sagte mir: Hey, das muss ich machen! Also besorgte
ich mir ein Lineal, ich ging hin und kaufte mir etwas Notenpapier, und ich
begann zu zeichnen. Ich hatte keine blasse Ahnung, was ich da zeichnete, aber
ich konnte es anschauen. Dann suchte ich mir Leute, die es spielen konnten, um
herauszufinden, wie es klingen würde. So begann ich."
Mit zwölf Jahren fing Zappa an Schlagzeug zu spielen, er lernte die "Rudiments"
der Militärmusik und schuf mit "Mice", einem Solostück für Snare Drum, seine
erste notierte Komposition. Und dann kam Edgard Varèse. Genauer gesagt: Ein
Artikel in der Zeitschrift "Look" über einen Plattenhändler in Kalifornien
erwähnte eine ziemlich ungewöhnliche Platte, wie Zappa in seiner Autobiografie
berichtet. "Der Artikel fuhr etwa folgendermaßen fort: 'Dieses Album enthält
nichts als Trommeln - es ist dissonant und schrecklich; die schlimmste Musik der
Welt.' Ahh! Ja! Das Richtige für mich!" Tatsächlich gelang es dem Teenager, in
einem Hifi-Laden in La Mesa (nahe San Diego) diese Scheibe aufzutreiben, wo sie
als Testplatte benutzt wurde und in einer Kiste neben der Kasse stand. "Ich
bemerkte ein seltsam aussehendes Schwarzweiß-Albumcover mit einem Typ drauf, der
krauses graues Haar hatte und wie ein verrückter Wissenschaftler aussah. Ich
fand es toll, dass ein verrückter Wissenschaftler endlich eine Platte gemacht
hatte, also zog ich sie heraus - und da war sie." Die Rede ist von "Complete
Works of Edgar Varèse, Vol. 1" mit den Stücken "Intégrales", "Density 21.5",
"Ionisation" und "Octandre", eingespielt unter der Kontrolle des Komponisten
selbst.
Die Platte enttäuschte nicht. Mutter Zappa schenkte Frank sofort den
Familien-Plattenspieler, damit er diese gräulichen Klänge bloß ja nicht im
Wohnzimmer laufen ließ, und der Junge hörte die Scheibe so oft, bis sie
praktisch zu Staub zerfiel. Varèses Verfahren, verschiedene Texturen zu
schichten und zu collagieren, seine Experimente mit Geräuschen, Stimmen,
Tonbändern, Elektronik und Perkussion und auch das Provokations-Potenzial seiner
Musik haben Zappa tief beeindruckt und blieben bis in seine letzten Jahre als
deutlicher Einfluss in seiner Musik erkennbar. Zu seinem 15. Geburtstag wünschte
sich der Junge ein Ferngespräch nach New York, wo er das neue Idol zu sprechen
hoffte. Leider erreichte er nur Mrs. Varèse: Ihr Mann hielt sich gerade für die
Realisierung seines "Poème électronique" in Brüssel auf. Später sollte er dem
jungen Fan aber am Telefon von seinem Werk "Déserts" erzählen, dessen
Uraufführung 1954 einen gewaltigen Skandal auslöste. Es wurden sogar Briefe
gewechselt. Der Teenager Frank Zappa hatte daraufhin keinen größeren Wunsch mehr
als ein ernsthafter Komponist zu werden. Beim Centennial Concert zu Varèses 100.
Geburtstag dirigierte Zappa 1983 persönlich Varèses "Ionisation".
Die zweite Langspielplatte, die der junge Zappa besaß, war eine Aufnahme von
Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" - eine weitere Offenbarung für den
Teenager. "Diese beiden Platten habe ich ungefähr zwei Jahre lang gehört, bevor
ich irgendwelche anderen Platten hatte." Strawinskys rhythmische Kapriolen,
seine bizarren Marschthemen und abrupten Tempowechsel haben in Zappas
musikalischer Sprache deutliche Spuren hinterlassen, was schon auf den frühen
Platten der Mothers of Invention nicht zu überhören war. Sogar direkte Zitate
aus Strawinskys Musik lassen sich häufig finden. In dem Stück "Duke Of Prunes",
das auf eine der frühesten Orchesterpartituren Zappas zurückgeht, werden Motive
aus dem "Sacre" und dem "Feuervogel" kombiniert; in anderen Stücken tauchen
Melodien aus "Petruschka" und "Agon" auf. Seinen ersten Auftritt 1972 nach einer
längeren (verletzungsbedingten) Auszeit bestritt Zappa als Rezitator in einer
Aufführung der "Geschichte vom Soldaten". Mit "Igor's Boogie" komponierte Zappa
ein kleines Widmungsstück an Strawinsky, das 1970 erstmals auf Platte zu hören
war und nach Zappas Tod von verschiedenen Kammerformationen (Meridian Arts
Ensemble, Omnibus Wind Ensemble) adaptiert wurde. Ein weiteres Widmungsstück
namens "Igor" wurde 1991 vom Ensemble Modern aufgenommen. Als Zappa 1968 eine
eigenwillige Hommage an den Rock'n'Roll veröffentlichte (das Album "Cruising
With Ruben & The Jets"), sah er auch in solcher Stil-Verfremdung noch einen
Bezug zu Strawinsky, nämlich zu dessen neo-klassischer Periode: "Wenn er die
Formen und Klischees der klassischen Ära hernehmen und verzerren konnte, warum
sollte ich nicht dasselbe mit den Regeln und Vorschriften tun, die in den
Fünfzigern auf den Doo-Wop-Gesang angewendet wurden?" Selbst in diesen
Rock'n'Roll-Songs waren Strawinsky-Zitate versteckt.
Auch andere klassische Komponisten fanden in Zappas Werk ein Echo. Im Stück "Call
Any Vegetable" kollidieren drei bekannte amerikanische Marsch-Themen wie auf
einer Parade: eine versteckte Hommage an ähnliche Techniken bei Charles Ives.
Wer sucht, findet Zitate von und Anklänge an Bartók, Berlioz, Bizet, Elliott
Carter, Ligeti, Nancarrow, Ravel, Rimsky-Korsakow, Tschaikowsky, Wagner oder
Webern. Die Zwölftonmusik hat Zappa in frühen Jahren vom Klangeindruck her
fasziniert, doch erste eigene Versuche in dieser Technik - mit 16 Jahren -
empfand er als unbefriedigend. Bereits als Schüler hatte er nämlich die
Möglichkeit, einige seiner Orchester- und Kammerwerke an der High School und am
College aufführen zu lassen. Daraufhin war sein Vater bereit, ihn für eine
gründliche musikalische Ausbildung aufs Peabody Conservatory zu schicken. Doch
Freigeist Frank hatte genug von allen Schulen - und verzichtete.
Fahrrad-Komposition, Rhythm'n'Blues und die Sandwich-Technik
Frank Zappas ernsthafte Ambitionen wurden rasch gedämpft, als er erkannte, wie
wenig ein seriöser Komponist in der amerikanischen Gesellschaft gilt. Schon die
Zufalls-Entdeckung von Varèses Platte und der Kontakt zum Komponisten
sensibilisierten ihn für die soziale Stigmatisierung zeitgenössischer Musik:
Immer wieder sollte Zappa darauf hinweisen, dass Varèse aus Resignation viele
Jahre lang das Komponieren aufgegeben hatte. Am eigenen Leib erlebte Zappa die
Ausgrenzung, als er vergeblich versuchte, in der TV-Show von Steve Allen
(immerhin einem bekannten Jazzmusiker) einen Auftritt als junger ernsthafter
Komponist zu erhalten. Erst als er ankündigte, ein Werk für Fahrräder zu
präsentieren, dem er den pseudo-seriösen Titel "Cyclophony" gab, bekam er sein
Feature. Die dadaistische Avantgarde-Performance des 21-jährigen Zappa - das
Zweirad als Klangkörper - war eine überlegene Sozialsatire, aber auch erste
Resignation.
Von da an war Frank Zappa überzeugt: Wollte er, dass seine Musik gespielt und
gehört würde, musste er Songs schreiben, sie selbst spielen, womöglich singen,
eine Rockband haben. Bei diesem Schritt half ihm, dass er eine klare Trennung
zwischen E- und U-Kultur zeitlebens nicht akzeptieren mochte: Der schwarze
Rhythm'n'Blues faszinierte ihn in gleicher Weise wie die Avantgarde des 20.
Jahrhunderts. "Da ich keinerlei formale Ausbildung besaß, machte es für mich
keinen Unterschied, ob ich Lightnin' Slim hörte oder eine Vokalgruppe namens The
Jewels oder Webern oder Varèse oder Strawinsky. Für mich war das alles gute
Musik." Zwischen Blues-Gitarre und fortgeschrittenster Kompositionstechnik
entstand 1965 die Mother of Invention, eine der ungewöhnlichsten Formationen der
Rock-Geschichte. Es war der Anfang eines beispiellos eklektizistischen
musikalischen Kosmos: der Klangwelt Frank Zappas.
Frank Zappa und die Mothers schrieben - am Rande sei es gesagt - Pop-Geschichte.
Sie erfanden den Underground, das Konzept-Album, das Rock-Doppelalbum, den
Jazz-Rock, die Popmusik als Gesellschafts-Satire und surrealistisches
Welttheater. Als Erste setzten sie die elektrisch verstärkte Big Band durch,
elektronisch manipulierte Holzblasinstrumente, das Wah-Wah-Pedal, verschiedene
Effektgeräte. Auch kompositorisch machte Zappa keine Abstriche: Was ihn an
Varèse und Strawinsky inspirierte - Klangblöcke und Elektronik, komplexe
Taktzahlen und metrische Verschiebungen, Geräuschfarben und seltsame harmonische
Fortschreitungen -, das mutete er auch seiner Rockband und ihrem Publikum zu.
Das Auftreten der Gruppe - die schrillen Klamotten, die langen Haare, die
verbalen Provokationen - konnten freilich zeitweise darüber hinwegtäuschen, dass
hier eine perfektionistische Hochleistungs-Truppe am Werk war. Zu den
Zappa-Bands gehörten im Lauf der Jahre etliche klassisch ausgebildete Musiker
und ausgesprochene Jazz- und Rock-Virtuosen, denen Zappa höchste Präzision
abverlangte. Der Maestro bekannte offen: Er selbst hätte keine Chance gehabt,
Mitglied in seiner Band zu werden. Zum Glück war er der Bandleader.
Nicht nur im Sinn konventioneller Komposition, sondern auch im Umgang mit den
technischen Möglichkeiten seiner Zeit war Zappa Avantgardist. Er verstand das
Tonstudio als alchemistisches Laboratorium, experimentierte schon in den
60er-Jahren viel mit Tonbändern, Filmsequenzen, besonderen Schnitt-Techniken und
elektronischen Verfahren und stand darin sowohl Varèse wie der Musique Concrète
nahe. Seine Platten sind mit Collagen und Konglomeraten aus musikalischen
Schnipseln, Geräuschen oder Interview-Material durchsetzt, die er im Studio in
wochenlanger Detailarbeit aneinander fügte. Zappas Sammlung an Sound-Samples war
legendär. Der "Amateur-Anthropologe" (wie er sich selbst nannte) archivierte
außerdem Unmengen an verbalen Äußerungen seiner Mitmenschen und ließ am Ende
seines Lebens sogar sämtliche amerikanischen TV-Kanäle rund um die Uhr auf Video
mitschneiden.
In vielen seiner Songs findet man harte Schnitte ("razor blade edits") zwischen
Popmaterial und Orchestermusik oder Geräuschen und gesprochenem Wort. Solche
Studio-Spielereien -Zappa nannte das seine "Sandwich-Technik" - sind ein
wesentlicher Teil von Frank Zappas kreativem Eklektizismus. Sie dienen der
Provokation und Ironisierung, stehen zuweilen aber auch im Dienst konkreter
Kompositions-Ideen. So ermöglichten sie ihm zum Beispiel die Kombination von
musikalischen Strukturen, die durch keine Partitur mehr in Beziehung zueinander
gesetzt werden könnten. Auch Conlon Nancarrows Lochstreifen-Musik machte von
solcher "Xenochronie" Gebrauch. Selbst die gespenstischen metrischen
Hochseilakte, die er seinen Musikern zuweilen zumutete, konnte er am
Studio-Computer noch übertreffen, indem er unabhängig voneinander aufgenommene
Tonspuren synchronisierte. Auch auf diese Weise hat Zappa seinen Musikkosmos bis
ins Unendliche recycelt: Er nahm zum Beispiel eigene Gitarrensoli her,
bearbeitete sie elektronisch, verwendete sie als Element in neuen Aufnahmen oder
transkribierte sie für Orchester. Am Ende seines Lebens hat er persönlich das
digitale Remastering seiner mehr als 50 Plattenalben überwacht. Ein Workaholic,
der 15 Stunden am Tag im Studio verbrachte.
Eine Flasche Tusche, Hüttenkäse und skulpturierte Luft
"Auch ich bin ein Komponist." So begann Zappa im Jahr 1984 seine programmatische
Rede vor der ASUC, der American Society of University Composers. "Ich brachte
mir das Komponieren bei, indem ich in die Büchereien ging und indem ich
Schallplatten hörte. Ich fing damit an, als ich vierzehn war, und ich habe es
dreißig Jahre lang gemacht. Ich mag keine Schulen. Ich mag keine Lehrer. Ich mag
die meisten Dinge nicht, an die Sie glauben - und als wäre das nicht schlimm
genug, verdiene ich meinen Lebensunterhalt auch noch damit, elektrische Gitarre
zu spielen." So hat es Zappa immer gesehen: Die Rockmusik war ein Mittel zum
Zweck. Er versuchte, das Beste aus seiner Situation zu machen, aber im Grunde
wollte er nie etwas anderes sein als ein Komponist. "Ich habe es immer geliebt,
kleine schwarze Punkte auf Notenpapier zu setzen. Ich saß gewöhnlich 16 Stunden
am Stück da, vornüber gebeugt in meinem Stuhl vor einer Flasche Tusche, und
zeichnete Striche und Punkte. Wenn ich mein Geld damit verdienen könnte, nur
Musik zu schreiben, so schwierig und so kompliziert, wie ich sie haben wollte,
und wenn ich wüsste, dass jemand sie spielen würde und ich sie nur aufnehmen
müsste, dann würde ich das glücklich und zufrieden bis an mein Lebensende tun."
Seine Kompositionen verglich Zappa gerne mit architektonischen Gebilden oder
einem Mobile aus Kugeln und Draht - einem System aus Gewichten und
Gegengewichten, Spannungen und Entspannungen. Er schreibt: "Das Schaffen und
Zerstören harmonischer und 'statistischer' Spannungen ist wesentlich bei der
Erstellung des kompositorischen Dramas." Allen Kompositions-Schulen und -Normen
misstraute er allerdings. Harmonie-Lehrbücher oder serielle Techniken waren ihm
ein Gräuel und erinnerten ihn an "Malen nach Zahlen": an Ausmalbücher, in denen
Zahlen die Farbwahl vorschreiben. Weil er nie einer kompositorischen Mode
gehorchte, bezeichnete er seine Musik provozierenderweise als "grotesk
unmodern". Die einzige Regel, die er gelten ließ, heißt: Für dich muss es gut
klingen, dir muss es Spaß machen. Natürlich gehörten zu seiner Ästhetik immer
auch der Überraschungseffekt, die humoristische Pointe, das ironische Klischee,
der provozierende Bruch, der kompositorische Kontrast, der strukturelle
Widerhaken. Komplexe Polymetrik neben Vulgärromantik, Perkussions-Flächen neben
schrägen Marschthemen, Filmmusik-Pathos neben atonalen Klang-Collagen. "Jegliche
Komposition oder Improvisation, die durchgängig konsonant und regelmäßig bleibt,
ist für mich wie ein Film, in dem nur die Guten vorkommen, oder wie das Essen
von Hüttenkäse."
Wie alle Komponisten war Zappa fasziniert von der Transformation der kleinen
schwarzen Punkte in den realen Klang. Immer wieder beschrieb er die im
Konzertsaal erklingende Musik als eine "Luft-Skulptur" oder den Versuch,
Luft-Molekülen den eigenen Willen aufzuzwängen. Obwohl er sich selbst nicht für
einen Dirigenten hielt, nannte er das Dirigieren eines Sinfonie-Orchesters "eine
unglaubliche Erfahrung", vergleichbar nur dem Harmonie-Singen. "Das Orchester
ist das ultimative Instrument." Dem Rockbühnen-Praktiker Zappa, der nie ein
Konservatorium besucht hatte, bereitete die Arbeitsweise von Orchestern und
Orchestermusikern allerdings eine Menge Kopfschmerzen. An die unbedingte Hingabe
seiner Bandmusiker gewohnt, von denen er absoluten Perfektionismus erwartete
(dreimonatige Proben vor einer Rock-Tournee waren keine Ausnahme), ging ihm die
Arbeitsroutine klassischer Musiker mächtig gegen den Strich - und regte den
Amateur-Anthropologen zu so mancher bissigen Bemerkung an. Er beschrieb
Orchestermusiker als "Typen mit Krawatte, die sich wünschen, sie wären beim
Angeln", oder als eine "Gruppe von Drohnen", die er mit seinem Geld "bestechen"
müsste. Seine Kooperationen mit Sinfonie-Orchestern und seine
Auseinandersetzungen mit den Musiker-Gewerkschaften addierten sich zu einer
langen Serie tragikomischer Katastrophen.
Zweihundert Motels, ein königlicher Saal und ein Gerichtshof
Das erste dieser sinfonischen Abenteuer fand im Jahr 1970 statt. Auf Initiative
der Philharmoniker von Los Angeles gab Zappas Band zusammen mit dem Orchester
(unter Zubin Mehta) ein ausverkauftes Konzert vor mehr als 10.000 Zuhörern.
Zappas Kommentar war hart: "Wer schert sich denn noch einen Dreck um
Komponisten? Die Musiker nicht." Zappa empfand nicht nur die Musiker als
unwillig, er wurde zudem fürs Stimmenkopieren zur Kasse gebeten (die Angaben
variieren zwischen 7.000 und 15.000 US-Dollar). Angeblich erhielt er damals von
den Philharmonikern sogar einen Kompositionsauftrag für ein Konzert für zwei
Klaviere: Die Bedingung war nur, dass er der Universität (UCLA) die beiden
Flügel kaufte und schenkte. Die Musikergewerkschaft wiederum verbot dem
Komponisten eine Tonaufnahme des Konzerts für den privaten Gebrauch, unternahm
jedoch nichts, als ein illegaler Mitschnitt auf den Markt kam.
Ein Jahr später entstand in England Zappas Experimental-Film "200 Motels", eine
chaotisch-absurde Rock-Oper unter Mitwirkung des Royal Philharmonic Orchestra
(unter Elgar Howarth). Viele spätere Orchesterwerke Zappas nahmen hier ihren
Anfang. Zum Abschluss der Aufnahmen war ein Konzert der Mothers mit dem RPO und
den King's Singers in der ausverkauften Royal Albert Hall angesagt, wurde aber
in letzter Minute auf Betreiben einer Staatsanwältin abgesetzt. Der Grund: die
angebliche Obszönität von Zappas Songtexten. Da also kein Konzert stattfand,
konnten - nach der Logik der britischen Gewerkschaft - die Proben mit dem
Orchester gar keine Konzertproben gewesen sein und mussten daher zum vollen
Tarif bezahlt werden. Zappa verklagte daraufhin die Royal Albert Hall und damit
die britische Krone: Sein realsatirischer Bericht von den Verhandlungen vor dem
High Court of Justice gehört zu den absoluten Höhepunkten in Zappas
Autobiografie. Ein paar Jahre später hatte er wieder Pech, als ein Streit mit
seiner Plattenfirma die Veröffentlichung von Orchesteraufnahmen, für die Zappa
eigens ein 40-köpfiges Ensemble zusammengestellt hatte, um Jahre verzögerte.
Schon 1976 fasste Zappa seine Erlebnisse mit Orchestern in drastische Worte:
"Mit ihnen zu arbeiten ist durchweg eine deprimierende Erfahrung.
Orchestermusiker interessieren sich nur für eins: ihre Rente. Die interessieren
sich einen Scheiß für Musik." Vor allem ihre mangelnde Bereitschaft, sich auf
neue Ideen und Techniken einzulassen, die nicht am Konservatorium gelehrt
werden, frustrierte Zappa: "Wenn du einem Orchestermusiker ein Stück neuer Musik
gibst, wird seine spontane Antwort wahrscheinlich sein: Igitt! Das wurde ja von
jemandem geschrieben, der noch lebt!" Die Unbeweglichkeit der Musiker, die
Bürokratie, die Gewerkschaften und die Riesenkosten: Zappa machte ständig
dieselben Erfahrungen und gab doch nicht auf. "Ich mache das aus zwei Gründen:
Erstens, weil ich die Musik hören will, und zweitens, weil ich bescheuert bin."
Die Philharmoniker von Oslo wollten Zappas Partituren spielen, aber dafür nur
zwei Tage proben; Zappa sagte ab. Die Wiener Sinfoniker planten eine aufwändige
Koproduktion mit Rundfunk, Fernsehen und der Stadt Wien; als das Projekt von den
Wienern gecancelt wurde, hatte Zappa bereits über 100.000 Dollar investiert. Das
holländische Residentie Orchester gewährte die von Zappa geforderten drei Wochen
Probenzeit, stellte dann aber zusätzliche Tantiemen-Forderungen, die das Projekt
unbezahlbar machten; erneut hatte Zappa eine sechsstellige Dollarsumme in den
Sand gesetzt.
Englische Pubs, das Synclavier und das menschliche Element
Als weitere europäische Vorhaben scheiterten, nahm der Komponist die Sache
selbst in die Hand, formierte ein Orchester aus Musikern der Syracuse Symphony
und plante ein Konzert im Lincoln Center in New York. Doch plötzlich tauchten
besondere Vorschriften der örtlichen Gewerkschaft auf und machten auch dieses
Projekt zunichte. "Komponisten haben keine Gewerkschaft", befand Zappa, "und die
Musiker-Gewerkschaft macht ihnen das Leben tatsächlich schwerer." Noch einmal
versuchte er es in England, diesmal mit dem London Symphony Orchestra (unter
Kent Nagano), das bereit war, Anfang 1983 auf seine Orchesterferien zu
verzichten und stattdessen 30 Stunden zu proben, ein Konzert zu geben und eine
dreitägige Aufnahme zu machen. Da weder für den Konzertsaal noch für das
Aufnahmestudio die Raumpläne der Wirklichkeit entsprachen, musste der
Pragmatiker Zappa unkonventionelle Ad-hoc-Lösungen finden: Beim Konzert strich
er einfach ein paar Musiker, für die Aufnahme ging er kurzfristig in ein -
akustisch allerdings völlig ungenügendes - Filmstudio. Nur durch eine ungewohnte
Mikrofonierung und eine langwierige digitale Mehrspurbearbeitung mit imaginären
Hallräumen war die Aufnahme - Zappas orchestrales Vermächtnis - zu retten. Von
den eingespielten Partituren - darunter "Bob In Dacron", "Pedro's Dowry" und "Bogus
Pomp" - gingen die meisten auf ältere Orchesterprojekte aus den Jahren 1968 bis
1971 zurück.
Über die Musiker des LSO fand Zappa sogar manches lobende Wort: Offenbar hat er
damit ihren guten Willen honoriert. Denn mit der Qualität ihres Spiels war er
keineswegs zufrieden. Über "Strictly Genteel", eine Aufnahme von knapp sieben
Minuten, befand er: "Sie machten so viele Fehler und spielten so schlecht in
diesem Stück, dass wir 40 Schnitte benötigten, um die Fehler zu verdecken. Wir
verwendeten jeden möglichen Trick beim Mischen." Bei anderer Gelegenheit meinte
er, das Ergebnis seien bestenfalls "hochklassige Demo-Versionen" seiner Stücke.
Besonders der Hang englischer Orchestermusiker zum Pub-Besuch begeisterte Zappa
keineswegs. Schon das Konzert in der Barbican Hall wurde dank der Musikerbar
hinter der Bühne zum "Disaster" (Zappa): "Die Bar ist gut ausgestattet und sehr
effektiv." Aber auch bei der Plattenaufnahme lockte ein Pub auf der anderen
Straßenseite: Die Folgen beschränkten sich nicht auf Verspätungen und teuer
bezahlte Wartezeiten.
Kein Wunder, dass Zappa - als der finanzierende Arbeitgeber -
Rationalisierungs-Maßnahmen traf. Er war einer der Ersten, die sich 1982 ein
Synclavier zulegten, einen komplexen Musik-Computer, der auch die schwierigsten
Passagen in jeder gewünschten Instrumentierung spielen kann. Zappa benutzte ihn
zum Komponieren (er schrieb ab sofort keine Noten mehr), Orchestrieren und
Wiedergeben der Musik - und zum automatischen Erstellen von Partituren. Zappa,
begeistert: "Das übertrifft jedes Orchester. Es befähigt mich, dasselbe zu tun
wie ein Maler. Du arbeitest wirklich und augenblicklich mit deinem Material. Du
drückst auf einen Knopf - und da ist es! Du musst dich nicht hinsetzen und es
mühsam über Jahre hinweg ausnotieren und die Stimmen kopieren lassen und hoffen,
dass irgendein Orchester genug Zeit haben wird, ihm eine Probe zu widmen... Du
hast die totale Kontrolle über deine Idee." Natürlich sah Zappa auch die
Nachteile der Maschine: Sie verlangte eine Menge Input und bot keinerlei
Spontaneität - doch beides war er ja vom Umgang mit klassischen
Orchestermusikern gewohnt. Anders als diese erwies sich das Synclavier nie als
ungeduldig, überfordert oder betrunken. Ähnlich wie die Piano-Walze für
Nancarrow spielte das Synclavier für Zappa das Unspielbare: akkurat ausgeführte
Blöcke kompliziertester Rhythmen. Und es musste nicht einmal nach
Gewerkschaftstarif bezahlt werden. Der Komponist konnte damit an vielen
Kompositionen gleichzeitig arbeiten und sie ständig weiterentwickeln; bei seinem
Tod 1993 waren etwa 500 Synclavier-Werke unvollendet.
Eine erste Etüde im Umgang mit dem Synclavier bildete das Album "Francesco
Zappa": Ein Komponist dieses Namens soll im 18. Jahrhundert in Italien gelebt
haben. Frank Zappa hat dessen Werke ausfindig gemacht, per Synclavier - noch in
sehr schlichter Anwendung - restauriert und 1984 mit der ihm eigenen Ironie
präsentiert: "Die Musik von Francesco Zappa (Blütezeit 1763-1788). Seine ersten
digitalen Aufnahmen in mehr als 200 Jahren. Ausgeführt vom Barking Pumpkin
Digital Gratification Consort. Dirigiert von Frank Zappa." Zwei Jahre später
veröffentlichte er mit "Jazz From Hell" auch ein "ernsthaftes" Synclavier-Werk:
Dass es den Grammy für das beste Rock-Instrumental-Album erhielt, fand Zappa
recht grotesk. Als Kritiker dem Album "Kälte" und fehlende "menschliche
Elemente" vorwarfen, konterte Zappa, indem er das zweite Album seiner Aufnahmen
mit dem LSO veröffentlichte. Trotz vierjähriger Bearbeitung war es seiner
Meinung nach geradezu eine Feier des menschlichen Elements: "Es ist verseucht
von falschen Noten und verpatzten Passagen."
Nach der Veröffentlichung der LSO-Aufnahmen hagelte es dennoch
Kompositions-Aufträge von Kammer-Ensembles aus der ganzen Welt. Zappa lehnte die
meisten ab, da es ihn bei der Vorstellung schauderte, wie seine Werke ohne seine
Probenaufsicht präsentiert würden - und dass er bei der Premiere auch noch dazu
lächeln müsste. Zu den dennoch zustande gekommenen Stücken gehören "Times Beach"
für das Aspen Wind Ensemble und "None Of The Above" für das Kronos Quartet. Als
das Ensemble E.A.R. Unit mit einem Auftragswerk nicht zurecht kam, setzte Zappa
gar durch, dass es mit Playback aufgeführt wurde: Das Synclavier spielte, die
Musiker mimten, die Kritiker merkten es nicht mal. Auch die Zusammenarbeit mit
Pierre Boulez und dessen Ensemble InterContemporain in Paris befriedigte Zappa
keineswegs. Obwohl Boulez und Zappa (für viele überraschend) von großem Respekt
voreinander erfüllt waren, empfand der Komponist seine Stücke als zu wenig
geprobt: "Ich hasste die Premiere. Boulez musste mich buchstäblich auf die Bühne
zerren, damit ich meine Verbeugung machte." Dabei hatte sich das Ensemble auf
drei Stücke beschränkt, die zusammen kaum länger als 20 Minuten dauerten; den
Rest des Albums "The Perfect Stranger" bestritt Zappas bewährtes Barking Pumpkin
Digital Gratification Consort unter des Komponisten direktester Aufsicht.
Das Ensemble Modern, Arbeit in der Garage und ein gelber Hai
Eine späte Genugtuung erfuhr der Komponist Zappa durch die Arbeit mit dem
Ensemble Modern, das 1991 Kontakt zu ihm aufnahm, um ein spezielles
Festival-Programm in Auftrag zu geben. Das Frankfurter Ensemble reiste sogar
komplett nach Los Angeles, probte dort zwei Wochen lang in Zappas Garagen-Studio
und erlebte dessen Arbeitstechniken hautnah: Die Musiker mussten improvisieren,
neue Spieltechniken erproben, Vorgefundenes und Zufälliges ins musikalische
Ganze integrieren und sogar rezitieren und schauspielern. Zappa samplete das
Spiel jedes einzelnen Musikers, um seine Arrangements am Synclavier auf dessen
jeweilige Ton- und Ausdrucksskala einzurichten: Er generierte ein digitales
Ensemble Modern. Das 1999 erschienene Album "EIHN" (Everything Is Healing Nicely),
das diese kalifornische Testphase dokumentiert, enthält bereits erste Versionen
der im nächsten Jahr vom Ensemble aufgeführten Stücke "Get Whitey", "Amnerika"
und "None Of The Above".
Nach zwei weiteren Probenwochen im Sommer 1992 präsentierte das Ensemble Modern
im September in sieben Konzerten in Frankfurt, Berlin und Wien ein
90-Minuten-Programm mit 19 Stücken von Frank Zappa: "The Yellow Shark". Obwohl
der Komponist die Wiedergabe "nicht 100-prozentig akkurat" fand, bekannte er:
"Ich habe nie eine jederzeit so exakte Aufführung für die Art von Musik erlebt,
die ich mache. Die Hingabe der Gruppe ist atemberaubend." Auch andere
Interpreten haben sich Anfang der 90er-Jahre um Zappas Musik verdient gemacht,
darunter der Pianist Jeffrey Burns und das Royal Northern College of Music. Die
neue Interpretations-Qualität schlug sich auch auf die Rezeption von Zappas
Musik nieder. Selbst in den ältesten "Klassikern" aus dem Repertoire von Zappas
Rockband entdeckten die Kritiker nun endlich die Nähe zu Strawinsky, Varèse,
Webern und Kurt Weill. Der Komponist Ali N. Askin, Arrangeur und musikalischer
Assistent beim Projekt "The Yellow Shark", präzisierte: "Ich kenne keinen
Komponisten, der so viele Einflüsse und musikalische Dialekte vermischt. Er
benutzt die Harmoniefortschreitung von 'Louie Louie' und geht direkt über in
einen Cluster, der von Ligeti sein könnte, und es ist ihm egal, solange es gut
klingt. Diese originelle Art, mit all diesen Farben und Strukturen zu arbeiten,
ist einfach verblüffend."
Die CD "The Yellow Shark" wurde - wie bei Zappa üblich - aus den besten
Versatzstücken der Live-Konzerte Stück um Stück zusammengeschnitten. Mit Sätzen
aus "Times Beach" und "None Of The Above" enthält sie jüngere Kammerstücke, mit
"Pound For A Brown" aber auch ein seltenes Frühwerk, das Zappa mit 16 Jahren für
Streichquartett komponierte. Eine lange Geschichte besitzen die Stücke "Dog
Breath Variations" und "Uncle Meat": Sie entstanden 1967 für eine Rockplatte
Zappas, wurden von ihm später für klassisches Orchester bearbeitet, dann für ein
Bläserensemble eingerichtet und schließlich von Ali Askin für das Ensemble
Modern neu orchestriert. Nach den guten Erfahrungen wollte Zappa weiterhin mit
dem Ensemble arbeiten und ging gar die Aufnahme von Varèses Gesamtwerk an, "The
Rage And The Fury". Sein viel zu früher Krebstod Ende 1993 machte weiteren
Plänen ein Ende.
Nach einer US-Tournee 1996 beschloss das Ensemble Modern, der Musik jenes Mannes
die Treue zu halten, den manche für den führenden Komponisten des späten 20.
Jahrhunderts halten. So entstand das neue, von Ali Askin arrangierte
Zappa-Programm "Greggery Peccary & Other Persuasions", das seit Juni 2000 in den
Konzertsälen präsentiert wird. Hauptstück ist die Restauration von "The
Adventures Of Greggery Peccary", einem nur in Fragmenten erhaltenen Großwerk
Zappas aus den Siebzigern. Mit "Envelopes" und "Naval Aviation In Art?" enthält
das Programm außerdem Kompositionen, die Zappa bereits in sinfonischer
Bearbeitung einspielte. Andere Stücke wie "Revised Music For Low Budget
Orchestra" oder "A Pig With Wings" gehen auf Zappas frühe Rock-Tage zurück und
erlebten seitdem manche Metamorphose. Ungebrochen ist die Entschlossenheit des
Ensembles, Zappas "unspielbare" Synclavier-Stücke in der Kammerbesetzung zu
realisieren. Bei den ersten Proben mit Zappa 1991 hatte dieser es nach einer
Stunde aufgegeben, das Synclavier-Stück "G-Spot Tornado" (aus "Jazz From Hell")
einzuüben. Bei den "Yellow Shark"-Konzerten ein Jahr später war es nicht nur die
gefeierte Zugabe, auch zwei andere (frühe) Synclavier-Kompositionen gehörten zum
Ensemble-Programm (eines in einer Version für zwei Klaviere). Mit dem neuen
Programm präsentiert das Ensemble Modern zwei weitere Stücke aus "Jazz From
Hell" an der Grenze der Spielbarkeit. Die Musik des Orchester-Beschimpfers Frank
Zappa hat sich endlich ihre menschlichen Interpreten erobert.
Ungekürzt und unzensiert - © 2002, 2004 Hans-Jürgen Schaal -
www.hjs-jazz.de/zappa.html
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zuletzt bearbeitet: 25.05.2005