EMBRYO ● Live 1971● Bremen
Garden Of Delights CD 084


Cover - Embryo Bremen 1971- Coverbild: Gina LaFemme - www.lafemme-art.com


  Hansi Fischer Christin Burchard Al Jones Edgar Hofmann Ralpf Fischer  
  Hansi Fischer Christin Burchard Al Jones Edgar Hofmann Ralpf Fischer  
  Flöte Schlagzeug Gitarre Sax, Geige Bass  

Alle Stücke von Embryo - All songs written by Embryo
Live 23. September 1971 in Bremen, Gymnasium Leibnizplatz
Coverart mit freundlicher Genehmigung von Gina LaFemme, www.lafemme-art.com


Titel:
1. Try to be 10:34
2. a) You can´t wait 10:09
    b) Evas nuvola
3. Tausendfüßler 9:20
4. Spain yes, Franco finished 26:26


english text info

EMBRYO aus München spielten am 23.9.1971 im Bremer Gymnasium Leibnizplatz. Der Auftritt wurde von Radio Bremen und deren Übertragungswagen aufgezeichnet und in der Sendung „Jazz live“ ausgestrahlt. Auf vorliegender CD wird dieser Auftritt erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bei diesem Anlass sei die Gelegenheit ergriffen, die Geschichte von Embryo bis 1971 ausführlich zu beleuchten.

Christian Burchard (*1 7.5.1946 in Hof) und der neun Jahre ältere Edgar Hofmann, der in Nürnberg klassische Geige studierte, spielten seit 1964 zusammen mit Dieter Serfas im Contemporary Trio, und zwar Jazz. Von 1967 bis 1969 waren die beiden beim Mal Waldron Quartet, wo sie mit einigen Jazz-Größen Bekanntschaft machten. Auch später noch pflegten sie ihre Freundschaft zu Mal Waldron und arbeiteten gelegentlich mit ihm zusammen, bis zu seinem Tod am 2.12.2002. Christian Burchard spielte 1969 als Gast das Vibraphon bei „Phallus dei“, dem Erstling von Amon Düül II, und im gleichen Jahr entstanden auch Embryo. Kern der Gruppe waren und sind bis heute Edgar Hofmann am Saxophon und der Geige sowie Christian Burchard am Vibraphon, Schlagzeug und Piano. Darum herum gruppierten sich ein paar lose und wechselnde Mitglieder wie Lothar Meid am Bass und Dieter Serfas am Schlagzeug, die man beide von Amon Düül II her kennt, außerdem Jimmy Jackson an den Tasten, Ingo Schmidt am Saxophon und Wolfgang Paap am Schlagzeug. Als es im April 1970 zu den Aufnahmen für ihre erste LP „Opal“ kam, hatte sich die Besetzung von Embryo auf vier Leute verschlankt: Dritter Mann neben Christian und Edgar war nun John Kelly an der Gitarre, der schon vor der Gründung von Ten Years After mit Alvin Lee zusammen in Manchester Blues gespielt hatte und zuletzt mit der schottischen Hardrockgruppe The Fleet durch Deutschland gereist war, von der er zu Embryo kam. Vierter war Ralph Fischer, der zusammen mit Peter-Michael Hamel in verschiedenen Latin- und Folk-Gruppen gespielt und nun Lothar Meid am Bass ersetzt hatte, der zu Doldingers Motherhood gewechselt war. „Opal“ erschien noch im gleichen Jahr 1970 auf dem neugegründeten Ohr-Label von Peter Meisel und Rolf Ulrich Kaiser, ist heute die gesuchteste Platte von Embryo überhaupt und wird weithin als ihr Meisterwerk angesehen. Im Juni 1970 schied John Kelly aus, und etwa zur gleichen Zeit kam der Flötist Hansi Fischer von XhoI (ex Xhol Caravan), nicht verwandt mit Ralph. Der wollte sich nun wieder stärker auf seine Latin-Herkunft besinnen und wurde in den Folgemonaten öfters durch Roman Bunka ersetzt, stand aber noch für einige Auftritte zur Verfügung. Mit Gästen wurde im Sommer 1971 die zweite LP eingespielt, „Embryos Rache“, inzwischen für United Artists. Am 23.9.1971 kam es dann zum besagten gut besuchten Auftritt in Bremen, und zwar in der Besetzung Christian Burchard am Schlagzeug, Edgar Hofmann am Saxophon und der Geige, Hansi Fischer an der Flöte, Ralph Fischer am Bass und Al Jones an der Gitarre. Ein Rückblick von Christian Burchard: „1971 war eines der ‚kommerziell‘ erfolgreichsten Jahre von Embryo. Die letzte LP ‚Embryos Rache‘ stand mehrere Wochen in den obersten Rängen der Albumcharts, obwohl auf dieser Scheibe viele komplizierte ungerade Rhythmen gespielt wurden und gegenüber dem Vorgänger ‚Opal‘ mehr Jazzimprovisationen zu hören waren. 1970 war Hansi Fischer bei uns eingestiegen, vorher hatte er Flöte und Saxophon bei Xhol (Caravan) gespielt. Die waren eine der außergewöhnlichsten Bands, die es je in Deutschland gegeben hat, ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Wenn sie heute aus dem Lautsprecher erklingen, scheinen sie modern und aufregend wie damals. Embryo und Xhol waren gute Freunde. Jedes Mal, wenn wir in der Nähe von Wiesbaden spielten, übernachteten wir in deren Wohnung, und umgekehrt. Selbst jetzt spielt ihr Saxophonist Tim Belbe ab und zu noch bei Embryo mit. Wenn die Musik von damals kurz beschrieben werden soll, war es viel spontane Improvisation. Es gab einige festgelegte Rufs, meist von Gitarre und Bass angespielt, über die dann kurze Themen von den Bläsern gesetzt wurden. Auf ‚Eva‘s nebula‘ ist der damals viel verwendete 5/4- oder 5/8-Beat zu hören, eigentlich ziemlich untypisch für den Rockmusikgeschmack jener Zeit. Viele Musiker von Embryo kamen aus der Schule des Jazzpianisten und Komponisten Mal Waldron, der ein wichtiger Vertreter der modernen internationalen Jazzszene war und ist (wie z. B. Max Roach, Eric Dolphy, John Coltrane, mit denen er unvergessliche Schallplatten aufgenommen hatte, heute alles Klassiker der Jazzgeschichte). Das Stück ‚Espagna si...‘ ist eine Hommage an spanische Musikkultur und gleichzeitig ein eindeutiges Statement gegen den damals noch herrschenden Diktator Franco. Embryo wurden wegen dieses Stücks auf ihrer vom Goethe-Institut Mitveranstalteten Mittelmeertournee alle Auftritte in Spanien vom dortigen Innenministerium ver boten. Die Textzeile ‚Revolution is the only way mag zwar übertrieben sein, kam aber von Herzen. Jüngst wurde diese Embryo-Komposition von der italienischen Gruppe Alhambra nachgespielt und der Text umgeändert in ‚Italia si, Berlusconi no‘.“

Quelle: Garden Of Delights 2003

EMBRYO from Munich performed on 9/23/1971 at the High School “Leibnizplatz“ in Bremen. Their gig was recorded by Radio Bremen under the conduct of Peter Schulze and broadcast in the series of “Jazz live“. A series which does not only present pure jazz but related music as weIl. On this CD their gig is made available to the broad public and for this occasion the chance of telling the initial and early history of Embryo until 1971 will be taken.

Since 1964 Christian Burchard (*5/1 7/1 946 in Hof) and Edgar Hofmann, nine years older to hirn who had been studying classical violin at Nuremberg, were playing jazz with Dieter Serfas at the Contemporary Trio. From 1967 until 1969 Christian and Edgar per formed at the Mal Waldron Quartet where they got together with some important figures ofjazz. Even later they cared for their friendship with Mal Waldron, every now and then performing with hirn, till his death on the 12/2/2002. In 1969, when Christian Burchard as guest was playing the vibraphone in “Phallus dei“, the first work of Amon Düül II, Embryo was founded. Core of the band were and still are Edgar Hofmann on saxophone and violin along with Christian Burchard on vibraphone, drums and piano. Various and all the while changing musicians performed with them, like Lothar Meid on bass and Dieter Serfas on drums, both known from Amon Düül II, or Jimmy Jackson on key boards, Ingo Schmidt on saxophone and Wolfgang Paap on drums. In April 1970 when their first LP “Opal“ was to be recorded the line-up of Embryo was down to four: besides Edgar Hofmann and Christian Burchard John Kelly on guitar and Ralph Fischer on bass were to be found. John Kelly had been playing the blues with Alvin Lee in Manchester even before the foundation of Ten Years After. Before joining Embryo John was on tour through Germany with The Fleet, a Scottish hard rock band. Ralph Fischer who had been performing with Peter-Michael Hamel in different latino and folk bands replaced Lothar Meid who had changed to Doldinger‘s Motherhood. “Opal“ which even was released in 1970 at the new founded Ohr (“Ear“) label of Peter Meisel and Rolf Ulrich Kaiser is today Embryos most looked for LP and regarded as their masterpiece. In June of the same year Ralph who wanted to pay more tribute to his Latino roots left the band, still being available for some gigs, and in the following months was replaced by Roman Bunka. At about the same time when John left, the flautist Hansi Fischer (not related to Ralph) from Xhol, formerly Xhol Caravan, joined the band. In the summer of 1971 Embryo‘s second LP “Embryo‘s Rache“ (“Embryo‘s revenge“) was recorded with guests. On that second LP, released by United Artists, influences of jazz and world music are much stronger. At the 9/23/1 971 the above mentioned weil attended gig in Bremen took place with the following line-up: Christian Burchard on drums, Edgar Hofmann on saxophone and violin, Hansi Fischer on flute, Ralph Fischer on bass, and Al Jones on guitar. A retrospective of Christian Burchard: “1971 has been one of Embryo‘s ‘commercially‘ most successful years. The LP ‘Embryo‘s Rache‘ (‘Embryo‘s revenge‘) remained tor several weeks in the top ranking of the charts though on this vinyl there could be heard at lot of complicated and odd rhythms as weil as — in comparison to its predecessor ‘Opal‘ — a lot more jazz improvisations. In 1970 Hansi Fischer had joined US, he used to perform flute and saxophone at Xhol (Caravan). Xhol, one of the most extraordinary bands ever in Germany, has been decades ahead of their times. When they are played today they seem to be as modern and exciting as ever since. Both groups have been best friends. Every time when we were performing near Wiesbaden, we stayed at there house and vice versa. Even now Tim Belbe, Xhol‘s saxophonist, still performs sometimes with Embryo. Trying to describe the music of those days, there had been lots of spontaneous improvisations. There were some fixed rufs mostly by guitar and bass, and on them small themes done by the wind players were superposed. On ‘Eva‘s nebula‘ yOU can hear the beat in 5/4 or 5/8, at those times often used but quite uncommon tor the rock music taste then. Very many musicians performing with Embryo came from the school of Mal Waldron, jazz pianist and composer who was and is a very important representative of modern international jazz (e. g. like Max Roach, Eric Dolphy, John Coltrane, with whom he had recorded unforgettable LPs, today classics of jazz history). The track ‘Espagna si...‘ has not only been a homage to Spanish music cuiture but as weil a distinct statement against the then ruling dictator Franco. Because of this track Embryo being on mediterranean tour with the heip of the German Goethe-Institut had been banned from Spain by the Ministry of Interior there. The line ‘Revolution is the only way‘ might sound exaggerated but it was heartfelt. Recently this composition by Embryo was covered by the Italian band Alhambra changing the line into ‘Italia si, Berlusconi no.“

A great many thanks to Radio Bremen for conceding the tape‘s usufruct rights as weil as to Christian Burchard tor his kind support.

 


Erstellt von Klaus Unland, 08-08-2003